Standardkonforme Definitionen zu BPMN 2.0, Prozessmanagement-Grundlagen und
Procevia-Konzepten. Alle Einträge sind quellenbasiert aus etablierter Fachliteratur
und der OMG-Spezifikation.
40 Einträge
A
Aktivität
BPMN
Auch:Task, Prozessschritt
BPMN-Element zur Darstellung von Arbeitsschritten in einem Prozess, grafisch als abgerundetes Rechteck. Die BPMN kennt die Grundform einer Aktivität sowie zahlreiche Spezialisierungen wie Transaktion, manuelle Aktivität und Aufruf-Aktivität.
Aktivitäten werden durch Sequenzflüsse (Pfeile) verbunden, die die Reihenfolge der Schritte im Prozess festlegen. Die BPMN erlaubt es zudem, den „Standardablauf” (den im Normalfall eintretenden Pfad) im Modell besonders zu markieren.
Für den professionellen Einsatz der BPMN sind wegen der Vielzahl der Symbole und der komplexen Notation im Regelfall Softwarewerkzeuge notwendig.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 157-158
Auch:Business Process Model and Notation, BPMN 2.0
Von der ISO weltweit normierte Methode zur Darstellung und Ausführung von Prozessen. BPMN stellt eine umfangreiche Notation bereit, mit der sich fachliche und technische Aspekte von Prozessen abbilden lassen, und unterscheidet zwischen Kontrollfluss (Reihenfolge von Aktivitäten) und Nachrichtenfluss (Kommunikation zwischen Objekten).
Die aktuelle Version BPMN 2.0 wurde 2010 von der Object Management Group (OMG, www.omg.org) veröffentlicht. Wesentliche Neuerungen der Version 2.0 waren eine deutliche Erweiterung des Sprachumfangs und die Einführung ausführbarer Elemente.
Die Verbreitung der BPMN hat seit der Veröffentlichung von Version 2.0 stark zugenommen: Bereits 2011 lag BPMN mit 49 % zwei Prozentpunkte vor der zuvor führenden Modellierungsmethode eEPK. In der Schweiz gilt BPMN seit längerem als Standardmethode für Unternehmen und Behörden.
Historische Meilensteine:
2002: Entwicklung durch Stephen A. White (IBM)
2005: Übernahme der Weiterentwicklung durch die OMG
2009: Version 1.2
2010: Version 2.0
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 154
Disziplin an der Schnittstelle von Betriebswirtschaft und Informatik, die sich mit der Modellierung, Analyse, Optimierung, Automatisierung und Überwachung von Geschäftsprozessen befasst. BPM integriert strategische, fachliche und technische Ebenen des Prozessmanagements in einem durchgängigen Lebenszyklus.
BPM umfasst drei Ebenen, die ineinander greifen:
Strategisches Prozessmanagement: Ausrichtung der Prozesse an der Geschäftsstrategie, Definition von Kernprozessen und Prozessverantwortungen
Fachliches (operatives) Prozessmanagement: Modellierung, Analyse und kontinuierliche Verbesserung der Prozesse
Technisches Prozessmanagement (Workflow-Management): Realisierung und Ausführung der Prozesse in IT-Systemen (WFMS, ERP, RPA)
Die Analyse der tatsächlich ausgeführten Prozesse erfolgt mit Process-Mining-Werkzeugen, welche aus Log-Daten den realen Prozessverlauf identifizieren. Das strategische BPM hat durch die DIN EN ISO 9001:2015 und ISO 9004:2018 zusätzliche Verbindlichkeit erhalten, da diese Normen erweiterte Anforderungen an das Prozessmanagement stellen.
Quellen
Weske, M. (2024): Business Process Management: Concepts, Languages, Architectures, 3rd Edition, Springer
Schmelzer, H. J. / Sesselmann, W. (2020): Geschäftsprozessmanagement in der Praxis, 9. Aufl., Hanser, S. 1, 59
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 6-8
Auch:Business Process Reengineering, BPR, Geschäftsprozess-Neugestaltung
Radikaler Ansatz zur Neugestaltung von Geschäftsprozessen, der nicht auf inkrementelle Verbesserung abzielt, sondern auf grundlegende Überarbeitung und fundamentale Leistungssteigerung. Von Hammer und Champy 1993 geprägt mit dem Ziel, durch konsequente Kundenorientierung und den Einsatz moderner Informationstechnologie dramatische Verbesserungen in Qualität, Kosten, Service und Zeit zu erzielen.
Business Reengineering grenzt sich bewusst von kontinuierlicher Verbesserung (Kaizen, KVP) ab: Während KVP in vielen kleinen Schritten arbeitet und bestehende Strukturen beibehält, fordert BPR den vollständigen Neuentwurf der Prozesse auf der „grünen Wiese”.
Vier Leitbegriffe nach Hammer/Champy:
Fundamental: Warum machen wir das überhaupt? Infrage stellen, nicht nur verbessern
Radikal: Von Grund auf neu, nicht nur modifizieren
Dramatisch: Signifikante Leistungssprünge, nicht 10% Optimierung
Prozesse: Fokus auf durchgängige Abläufe, nicht auf Funktionen oder Abteilungen
Kritik: In der Praxis erreichten viele BPR-Initiativen der 1990er Jahre die versprochenen Ergebnisse nicht, weil sie organisatorische und kulturelle Widerstände unterschätzten. Heutige Ansätze kombinieren oft radikale Umgestaltung mit agilen und inkrementellen Methoden.
Quellen
Hammer, M. / Champy, J. (1993): Reengineering the Corporation
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 46-48
Verfahren zur Bearbeitung von BPMN-Diagrammen über natürlichsprachliche Anweisungen im Chat. Statt Elemente manuell zu verschieben, zu verbinden oder umzubenennen, werden Änderungen in natürlicher Sprache formuliert (z. B. 'Füge eine Eskalation hinzu, wenn die IT länger als 3 Tage braucht'), und die KI setzt sie im Diagramm um.
Typische Chat-Editing-Anweisungen:
„Benenne den Task ‚Willkommensgespräch‘ um in ‚Onboarding-Meeting‘”
„Mach das parallele Gateway zu einem inklusiven Gateway”
„Füge eine Eskalation hinzu, wenn die Bonitätsprüfung länger als 48 Stunden dauert”
„Verbinde den Task ‚Angebot erstellen‘ mit dem End-Event”
„Lösche den Subprozess ‚Reklamation‘ samt aller Verbindungen”
Jede Änderung wird sofort im Diagramm sichtbar, ohne manuelles Umbauen. Chat-Editing ergänzt die initiale Generierung durch Vibe-Modelling und ersetzt den klassischen Drag-&-Drop-Workflow durch eine konversationale Schnittstelle.
BPMN-Element zur Darstellung von Daten, die zwischen Prozessschritten weitergegeben werden. Datenobjekte kommen zum Einsatz, wenn Daten zwischen Tasks übertragen werden, etwa weil verschiedene Informationssysteme genutzt werden, und stellen den Input oder Output von Prozessschritten dar.
Ein Datenobjekt wird grafisch als Dokumenten-Symbol (Seite mit umgeknickter Ecke) dargestellt und mit dem zugehörigen Task über eine gestrichelte Linie (Data Association) verbunden.
Beispiel: Eine Faktura wird im Vertriebssystem erfasst, an den Kunden übermittelt und anschließend elektronisch an ein Buchhaltungssystem übertragen und dort als Debitorenrechnung gebucht. Die Rechnung selbst wird als Datenobjekt modelliert, um den Fluss der Daten zwischen den beteiligten Systemen sichtbar zu machen.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 164
OMG (2011): Business Process Model and Notation (BPMN) Specification, Version 2.0, S. 203 ff.
BPMN-Element zur Darstellung von persistenten Daten, die dauerhaft von mehreren Prozessschritten genutzt werden. Im Gegensatz zu Datenobjekten, die zwischen Tasks fließen, repräsentiert ein Datenspeicher eine Datenbank, ein Archiv oder ein Dateisystem, auf das mehrere Prozessschritte lesend oder schreibend zugreifen.
Der Datenspeicher wird grafisch als Zylinder (Datenbank-Symbol) dargestellt. Typische Einsatzbereiche sind Kundendatenbanken, Produktkataloge, Vertragsarchive oder zentrale Dokumentenablagen.
Ein Datenspeicher kann von Aktivitäten aus verschiedenen Lanes oder sogar Pools genutzt werden und macht damit systemübergreifende Datenabhängigkeiten sichtbar.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 164
OMG (2011): Business Process Model and Notation (BPMN) Specification, Version 2.0, S. 203 ff.
BPMN-Element, das den Abschluss eines Prozesses kennzeichnet. Grafisch ein Kreis mit dicker Linie. Jeder Prozess muss mindestens ein End-Ereignis besitzen. End-Ereignisse können das Ergebnis konkretisieren: Message, Error, Escalation, Cancel, Compensation, Signal oder Terminate.
Das End-Ereignis markiert den Abschluss eines Prozesspfads. Wie das Start-Ereignis ist es in BPMN 2.0 obligatorisch: Jeder Prozess muss in mindestens einem End-Ereignis enden. Mehrere End-Ereignisse pro Prozess sind erlaubt und sinnvoll, wenn ein Prozess unterschiedliche Ausgänge hat (etwa: positiv abgeschlossen, abgelehnt, abgebrochen).
Visuell unterscheidet sich das End-Ereignis vom Start-Ereignis durch eine dickere Randlinie (Strichstärke 3 in der OMG-Spezifikation). Diese visuelle Konvention erlaubt Lesenden, Start und Ende auf einen Blick zu unterscheiden.
Wichtige Varianten:
None End Event (leerer Kreis): Standard-Abschluss ohne spezifisches Ergebnis
Message End Event (Briefumschlag, gefüllt): Versand einer Nachricht beim Beenden
Error End Event (Blitz, gefüllt): Prozess bricht mit Fehler ab, der ggf. von einem übergeordneten Prozess gefangen wird
Terminate End Event (gefüllter Kreis): Beendet den gesamten Prozess unmittelbar, auch parallele Pfade
Das Terminate End Event ist besonders nützlich bei Notfall-Abbrüchen, etwa Storno einer Bestellung mit laufender Zahlungsabwicklung.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 166
OMG (2011): Business Process Model and Notation (BPMN) Specification, Version 2.0, S. 245 ff.
Ein Geschäftsprozess, der vier konstitutive Elemente aufweist: (1) Aktivitäten bzw. Tätigkeiten, (2) eine definierte zeitlich-logische Abfolge, (3) ein klar abgrenzbares Ergebnis und (4) einen Außenbezug durch einen Kundenbedarf am Anfang und die Deckung dieses Bedarfs durch die erbrachte Leistung am Ende.
Die Bezeichnung als „End-to-End-Prozess” allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, wie Anfang und Ende definiert sind: Am Anfang muss ein Kundenbedarf stehen, am Ende eine Leistung, die diesen Bedarf deckt.
End-to-End-Geschäftsprozesse schaffen damit nicht irgendwelche beliebigen Outputs, sondern Leistungen, die einen Bedarf eines Kunden adressieren. Ihre „Enden” sind nicht beliebig definierbar, sondern ganz klar festgelegt durch den Bedarf des Kunden und die Deckung dieses Bedarfs durch die vollständig erbrachte Leistung.
Bilden Prozesse nur einen Teil des Kundenbedarfs ab, handelt es sich nicht um komplette End-to-End-Geschäftsprozesse, sondern um Teilprozesse.
Quellen
Bergsmann, S. (2012): End-to-End-Geschäftsprozessmanagement, Springer Wien, S. 16-18
Integrierte Standardsoftware, die alle wesentlichen betriebswirtschaftlichen Funktionen eines Unternehmens (Finanzen, Personal, Beschaffung, Produktion, Vertrieb) auf einer gemeinsamen Datenbasis unterstützt. ERP-Systeme sind zentrale Plattformen für die operative Prozessausführung in Unternehmen und bieten häufig eingebettete Workflow-Funktionalitäten.
Führende ERP-Systeme im deutschsprachigen Raum: SAP S/4HANA, Oracle NetSuite, Microsoft Dynamics 365, Sage X3, Infor.
Typische Prozessmanagement-Bezüge:
ERP-Systeme liefern vorkonfigurierte Referenzprozesse (Best Practices) als Grundlage für Soll-Prozessmodelle
Prozessmodelle (z. B. als BPMN oder EPK) dienen als Ausgangspunkt für das Customizing der Software
Log-Daten aus ERP-Systemen sind primäre Quelle für Process Mining
Rollen- und Berechtigungsmodelle des ERP spiegeln die organisatorischen Zuständigkeiten aus den Prozessmodellen wider
Die Einführung eines ERP-Systems ist einer der häufigsten Auslöser für Prozessmanagement-Initiativen in Unternehmen.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 205-210
BPMN-Element, das einen eingetretenen Zustand oder Auslöser im Prozess kennzeichnet, grafisch als Kreis. Die OMG unterscheidet Start-, Zwischen- und End-Ereignisse, die wiederum in verschiedenen Varianten auftreten können (Message, Timer, Error, Signal, Escalation, Cancel, Terminate).
Start- und End-Ereignisse müssen immer modelliert werden. Zwischenereignisse sind optional und werden genutzt, wenn inner- oder außerhalb des Prozesses auf einen bestimmten Zustand reagiert werden muss.
Die Standardsymbole für Start-, Zwischen- und End-Ereignisse können durch spezielle Symbole ersetzt werden, die den Sachverhalt präziser beschreiben. Typische Spezial-Ereignisse:
Bedingungsereignis: tritt ein, wenn eine Bedingung erfüllt ist
Timer-Ereignis: tritt zu einem definierten Zeitpunkt ein
Nachrichtenereignis: tritt ein, wenn eine Nachricht empfangen wird
Fehlerereignis: tritt ein, wenn ein Fehler auftritt (Prozess muss abgebrochen werden)
Signalereignis: tritt ein, wenn ein Signal empfangen wird
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 165
OMG (2011): Business Process Model and Notation (BPMN) Specification, Version 2.0, S. 287 ff.
Semi-formale Modellierungsmethode zur Beschreibung von Geschäftsprozessen, bei der sich Ereignisse und Funktionen abwechseln. Die EPK wurde 1991 von Keller, Nüttgens und Scheer an der Universität des Saarlandes entwickelt und ist ein zentraler Bestandteil der ARIS-Architektur. In der erweiterten Variante (eEPK) werden zusätzlich Organisationseinheiten, Daten und IT-Systeme integriert.
Die EPK hat sich in der Praxis als führende semi-formale Methode zur Modellierung von Geschäftsprozessen durchgesetzt, insbesondere durch den Einsatz bei SAP (R/3-Dokumentation).
Kernelemente der EPK:
Ereignis (Event): Sechseck, passiver Zustand (z. B. „Bestellung eingegangen”)
Funktion: Abgerundetes Rechteck, aktive Aufgabe (z. B. „Bestellung prüfen”)
Die Notation der EPK wurde vielfach modifiziert. Eine einheitliche standardisierte Version wie bei BPMN 2.0 existiert nicht. Seit der breiten Adoption von BPMN 2.0 ist die EPK in der internationalen Praxis rückläufig, im deutschsprachigen Raum aber weiterhin verbreitet, vor allem in Verbindung mit ARIS-basierten Toolketten.
Quellen
Keller, G. / Nüttgens, M. / Scheer, A.-W. (1992): Semantische Prozeßmodellierung auf der Grundlage 'Ereignisgesteuerter Prozeßketten (EPK)', Heft 89, Uni Saarbrücken
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 130-152
Gateway, bei dem aus mehreren Möglichkeiten genau ein Pfad für den weiteren Ablauf gewählt wird (SPLIT, Auswahl 1 aus n) bzw. bei dem aus mehreren eingehenden Pfaden zusammengeführt wird (JOIN). Entspricht dem XOR-Konnektor der eEPK-Methode.
Beispiel: In einem Reiseprozess kann entweder ein Flug oder eine Bahnfahrt gebucht werden, niemals beides gleichzeitig. Das XOR-Gateway wird grafisch als Raute mit einem X im Inneren dargestellt.
Das XOR-Gateway ist das am häufigsten genutzte Gateway in der Praxis, weil die meisten Prozessverzweigungen Entscheidungscharakter haben.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 162
Allweyer, T. (2015): BPMN 2.0, 3. Aufl., Norderstedt, S. 24
BPMN-Element zur Darstellung von Verzweigungen (SPLIT) oder Zusammenführungen (JOIN) von Pfaden in Prozessen, grafisch als Raute. Gateways bilden Varianten ab, die sich im Ablauf eines Prozesses ergeben können, und entsprechen den aus der eEPK bekannten UND-, XOR- und ODER-Konnektoren.
Gateways sind Entscheidungspunkte im Prozess, an denen festgelegt wird, wie der weitere Ablauf verläuft. Die BPMN kennt vier Haupttypen:
Exklusives Gateway (XOR): entweder/oder, genau ein Pfad wird gewählt
Paralleles Gateway (AND): alle Pfade werden parallel durchlaufen
Inklusives Gateway (OR): ein oder mehrere Pfade werden gewählt
Komplexes Gateway: beliebige Regeln, die sich nicht durch die Standard-Gateways abbilden lassen
Darüber hinaus gibt es weitergehende Spezialformen wie das ereignisbasierte Gateway.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 162
OMG (2011): Business Process Model and Notation (BPMN) Specification, Version 2.0, S. 287 ff.
Zielgerichtete, zeitlich-logische Abfolge von Aufgaben, die arbeitsteilig von mehreren Organisationseinheiten unter Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien ausgeführt werden können, zur Erstellung von Leistungen entsprechend den aus der Unternehmensstrategie abgeleiteten Prozesszielen.
Ein Geschäftsprozess kann formal auf unterschiedlichen Detaillierungsebenen und aus mehreren Sichten beschrieben werden. Der maximale Detaillierungsgrad ist erreicht, wenn die ausgewiesenen Aufgaben je in einem Zug von einem Mitarbeiter ohne Wechsel des Arbeitsplatzes ausgeführt werden können.
Abzugrenzen von technischen Prozessen (z. B. Fräsen eines Zylinderkopfes), die durch Stücklisten, Arbeitspläne oder Rezepturen beschrieben werden. Betriebswirtschaftliche Geschäftsprozesse beziehen sich auf kaufmännische Tätigkeiten wie Kundenauftragsbearbeitung oder Mitarbeitereinstellung und werden mit Ablaufdiagrammen oder Geschäftsprozessmodellen dokumentiert.
Quellen
Gehring, H. (1998), zitiert in: Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 11
Gateway, bei dem ein oder mehrere der ausgehenden Pfade gewählt werden (Auswahl x aus n, wobei x ≥ 1). Entspricht dem ODER-Konnektor der EPK-Methode und erlaubt beliebige Kombinationen, solange mindestens ein Pfad genommen wird.
Das OR-Gateway wird grafisch als Raute mit einem Kreis im Inneren dargestellt. Es modelliert flexible Kombinationen.
Beispiel: Bei der Auswahl der Medien für eine Stellenanzeige können nach dem Prozessschritt „Medien für Stellenanzeige” mehrere Medien gewählt werden, etwa nur die Unternehmenshomepage, Zeitung und Homepage zusammen oder eine beliebige andere Kombination. Mindestens eines muss gewählt werden.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 163
Allweyer, T. (2015): BPMN 2.0, 3. Aufl., Norderstedt, S. 32
Philosophie und Methode der kontinuierlichen, schrittweisen Verbesserung, die aus dem japanischen Qualitätsmanagement stammt (Toyota Production System). Im Gegensatz zu radikalen Umgestaltungsansätzen wie Business Reengineering setzt Kaizen auf viele kleine, inkrementelle Verbesserungen durch alle Mitarbeiter, regelmäßig und ohne große Einzelinvestitionen.
Kaizen ist Bestandteil vieler moderner Qualitätsmanagement-Ansätze, darunter Lean Management, Six Sigma und Total Quality Management (TQM). Im deutschsprachigen Raum wird Kaizen häufig als Kontinuierlicher Verbesserungsprozess (KVP) umgesetzt.
Kernprinzipien:
Inkrementalität: Viele kleine Verbesserungen statt weniger großer Projekte
Partizipation: Jeder Mitarbeiter auf jeder Ebene ist beteiligt
Standardisierung: Erreichte Verbesserungen werden als neuer Standard festgeschrieben
PDCA-Zyklus: Plan, Do, Check, Act als methodischer Rahmen
Abgrenzung zu BPR: Während Business Reengineering in großen Sprüngen arbeitet, bevorzugt Kaizen evolutionären Fortschritt. In der Praxis werden oft beide Ansätze kombiniert: Radikale Umgestaltung als Initialmaßnahme, kontinuierliche Verbesserung zur Stabilisierung und Weiterentwicklung.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 60
Schmelzer, H. J. / Sesselmann, W. (2020): Geschäftsprozessmanagement in der Praxis, 9. Aufl., Hanser
Geschäftsprozess mit hohem Wertschöpfungsanteil, der das Wesen des Unternehmens kennzeichnet, in der Regel wettbewerbskritisch ist und Leistungserstellungsprozesse vom Kundenwunsch bis zur vom Kunden wahrgenommenen Auslieferung bzw. Leistungserbringung abbildet.
Typische Beispiele für Kernprozesse sind Auftragsbearbeitung, Produktentwicklung, Produktion, Distribution und Service. Kernprozesse sind die Prozesse, die ein Unternehmen am Markt identifizierbar machen.
In einer Prozesslandkarte werden Kernprozesse üblicherweise horizontal und zentral dargestellt, mit Steuerungsprozessen oberhalb und Unterstützungsprozessen unterhalb.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 13
Gateway, das beliebige komplexe Regeln anwendet und zum Einsatz kommt, wenn die klassischen Gateways (XOR, AND, OR) einen Sachverhalt nicht oder nur sehr unübersichtlich abbilden können. In der Praxis wird das komplexe Gateway selten eingesetzt, da die technische Ausführung schwer zu realisieren ist.
Das komplexe Gateway eignet sich primär für die fachliche Modellierung, nicht für die automatisierte Prozessausführung. Die Logik hinter einem komplexen Gateway wird in der Regel außerhalb des Diagramms als Regel dokumentiert.
Beispiel: Beim Prozessschritt „Bewerber auswählen” wird eine nicht im Modell näher spezifizierte Regel angewendet, bei der die Inhalte mehrerer Gutachten zum Bewerber eine Rolle spielen.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 163
Allweyer, T. (2015): BPMN 2.0, 3. Aufl., Norderstedt, S. 37
Unterteilung innerhalb eines Pools, die Details eines Prozesses beschreibt, differenziert nach Organisationseinheiten, Rollen oder IT-Systemen. Lanes werden in der Praxis am häufigsten zur Gliederung nach Organisationseinheiten eingesetzt.
Lanes unterteilen einen Pool horizontal (bei horizontal ausgerichtetem Pool) oder vertikal (bei vertikalem Pool) und erlauben es, Verantwortlichkeiten klar zuzuordnen: Welche Aktivität wird von welcher Rolle, Abteilung oder welchem System ausgeführt?
Die Gliederung nach Organisationseinheiten ist in der Praxis die am häufigsten genutzte Methode. Es ist jedoch auch möglich, Lanes für Informationssysteme zu verwenden, zum Beispiel um den Zusammenhang zwischen manueller und automatisierter Prozessausführung deutlich zu machen.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 159
Allweyer, T. (2015): BPMN 2.0, 3. Aufl., Norderstedt, S. 22
BPMN-Element, grafisch als gestrichelter Pfeil, das die Kommunikation zwischen verschiedenen Pools darstellt. Ein Nachrichtenfluss verbindet Elemente in unterschiedlichen Pools und zeigt an, dass Nachrichten (Daten, Dokumente, Signale) zwischen den beteiligten Prozessen ausgetauscht werden.
Die Unterscheidung zwischen Kontrollfluss (Sequenzfluss innerhalb eines Pools) und Nachrichtenfluss (zwischen Pools) ist ein zentrales Alleinstellungsmerkmal der BPMN im Vergleich zu anderen Modellierungssprachen.
Diese Trennung erlaubt es, zusammenhängende Prozesse darzustellen und zugleich das Zusammenspiel bei Überschreitung von Organisationsgrenzen zu modellieren, zum Beispiel Kunde-Lieferant-Beziehungen oder Interaktionen zwischen Fachabteilung und IT-System.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 157, 160
Allweyer, T. (2015): BPMN 2.0, 3. Aufl., Norderstedt, S. 51
Gateway, bei dem der Vorgang in allen ausgehenden Pfaden parallel weiter fortgesetzt wird (SPLIT, Auswahl n aus n) bzw. bei dem beim Zusammenführen (JOIN) auf alle eingehenden Pfadereignisse gewartet wird, bevor der Prozess fortgesetzt wird. Entspricht dem UND-Konnektor der eEPK-Methode.
Das AND-Gateway wird grafisch als Raute mit einem Pluszeichen im Inneren dargestellt. Es modelliert echte Nebenläufigkeit: Alle ausgehenden Aktivitäten müssen durchlaufen werden.
Beispiel: Beim Mitarbeiter-Onboarding laufen IT-Setup und HR-Einführungswoche parallel ab. Das zusammenführende AND-Gateway wartet, bis beide Aktivitäten abgeschlossen sind, bevor der erste Arbeitstag beginnt.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 162
BPMN-Element, das einen eigenständigen Prozess repräsentiert. Pools grenzen verschiedene Prozessteilnehmer voneinander ab, zwischen denen Nachrichten ausgetauscht werden können, die Einfluss auf den jeweils anderen Prozess haben.
Ein Pool wird grafisch als großes Rechteck dargestellt, das einen kompletten Prozess umschließt. Innerhalb eines Pools können mehrere Lanes die Details nach Organisationseinheiten, Rollen oder IT-Systemen differenzieren.
Typisches Beispiel: In einem Bewerbungsprozess gibt es zwei Pools, „Bewerber” und „Firma”, deren Prozesse sich gegenseitig beeinflussen. Jeder Pool repräsentiert die Sicht des Prozessteilnehmers auf den gleichen Ablauf.
Zwischen Pools fließen Nachrichten (Message Flows, gestrichelte Pfeile), innerhalb eines Pools fließt der Kontrollfluss (durchgezogene Pfeile).
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 159
OMG (2011): Business Process Model and Notation (BPMN) Specification, Version 2.0, S. 109 ff.
Methode zur Analyse tatsächlich ausgeführter Prozesse auf Basis der Log-Daten von IT-Systemen. Process-Mining-Werkzeuge rekonstruieren aus Zeitstempeln, Benutzeraktionen und Systemereignissen den realen Prozessverlauf und machen Abweichungen zwischen Soll-Prozess (modelliert) und Ist-Prozess (gelebt) sichtbar.
Process Mining bildet die Schnittmenge aus Process Science (Prozesstheorie) und Data Science (Datenanalyse). Die Grundidee: Anstatt Prozesse zu modellieren und zu hoffen, dass sie so gelebt werden, wird der tatsächliche Prozessverlauf aus den digitalen Spuren im System rekonstruiert.
Typische Process-Mining-Fragen:
Wie verläuft der Prozess wirklich, und wie sollte er laut Modell verlaufen?
Wo treten Verzögerungen, Schleifen oder Abweichungen auf?
Welche Varianten eines Prozesses existieren in der Praxis?
Wer ist in welche Prozessschritte involviert?
Voraussetzung: Die beteiligten IT-Systeme müssen Log-Daten mit Zeitstempel, Fall-ID (Case ID) und Aktivitätsbezeichnung liefern. Typische Datenquellen sind ERP-Systeme, CRM, Ticket-Systeme und Workflow-Management-Systeme.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 7-8, 194-199
Laue, R. / Koschmider, A. / Fahland, D. (Hrsg.): Prozessmanagement und Process-Mining, Berlin
Auch:Hierarchisierung von Prozessen, Prozessebenen
Stufenweise Betrachtung von Prozessen auf unterschiedlichen Abstraktionsebenen nach dem Top-Down-Prinzip: vom übergeordneten Geschäftsprozess über Geschäftsprozessschritte bis hin zu elementaren Prozessschritten, die zur Aufgabenerfüllung keinen Wechsel des Bearbeiters erfordern.
Die Hierarchisierung von Prozessen ist insbesondere bei sehr großen Unternehmen wichtig, um die verschiedenen Ebenen für die weitere Arbeit zu identifizieren und getrennt zu behandeln.
Ein elementarer Prozessschritt ist erreicht, wenn die Aufgabe in einem Zug von einem Mitarbeiter ohne Wechsel des Arbeitsplatzes ausgeführt werden kann.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 12
Messgröße zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit eines Prozesses in Bezug auf definierte Prozessziele. Prozesskennzahlen werden in der Regel in den Dimensionen Zeit (Durchlaufzeit), Kosten, Qualität und Kundenzufriedenheit erfasst und erlauben die kontinuierliche Steuerung und Verbesserung von Prozessen.
Prozesskennzahlen werden in einem Prozesskennzahlensystem oder einer Prozess-Scorecard strukturiert, die Kennzahlen aus verschiedenen Dimensionen kombiniert.
Kundenzufriedenheit: Net Promoter Score, Beschwerdequote, Termineinhaltung
Die Prozesskostenrechnung ordnet Gemeinkosten verursachungsgerecht auf einzelne Prozesse zu. Damit können Unternehmen nicht nur einzelne Produkte, sondern auch ganze Leistungserstellungsprozesse wirtschaftlich bewerten und optimieren.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 95-104
Schmelzer, H. J. / Sesselmann, W. (2020): Geschäftsprozessmanagement in der Praxis, 9. Aufl., Hanser
Übersichtliche Darstellung der wesensbestimmenden Geschäftsprozesse eines Unternehmens. Prozesslandkarten dienen der groben Information über die wichtigsten Arbeitsabläufe und gliedern Prozesse typischerweise in Steuerungs-, Kern- und Unterstützungsprozesse. Zielgruppen können intern (Management, Mitarbeiter) oder extern (Lieferanten, Bewerber) sein.
Die Methode zur Beschreibung von Prozesslandkarten ist nicht normiert. In der Unternehmenspraxis haben sich daher viele Varianten herausgebildet.
Leitfragen zur Prozesswürdigkeit (ob ein Prozess in die Landkarte gehört):
Sind verschiedene Stellen, Abteilungen oder Bereiche vom Prozess betroffen (hohe Arbeitsteilung)?
Bestehen Schnittstellen zu anderen Prozessen?
Bestehen Schnittstellen zum Kunden bzw. Kundenprozessen?
Kann ein Prozessverantwortlicher bestimmt werden?
Wird der Prozess häufig durchlaufen?
Werden vom Prozess viele Ressourcen gebunden, die auch für andere Prozesse relevant sind?
Werden diese Fragen überwiegend mit „ja” beantwortet, gehört der Prozess in die Landkarte.
Eigenschaften einer guten Prozesslandkarte: Übersichtlichkeit (möglichst eine Seite), klare Differenzierung der Prozesstypen und Vollständigkeit bei den wesensbestimmenden Prozessen.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 116-120
Wagner und Lindner (2022), zitiert in Gadatsch, S. 145
Rolle in der Prozessorganisation, die die durchgängige Verantwortung für einen Geschäftsprozess trägt, von der strategischen Ausrichtung über die Modellierung und Optimierung bis zur operativen Steuerung. Der Prozessverantwortliche sorgt dafür, dass Prozessziele erreicht, Kennzahlen eingehalten und kontinuierliche Verbesserungen umgesetzt werden.
Hammer und Champy definieren: Gesteuert wird ein Unternehmensprozess durch einen Prozessverantwortlichen, der dem Kreis der oberen Managementebene entstammen soll. Die Position in der Hierarchie ist wichtig, weil Prozesse meistens mehrere Abteilungen queren und ein Prozessverantwortlicher über diese Abteilungsgrenzen hinweg entscheiden können muss.
Typische Aufgaben:
Definition und Pflege der Prozessziele und Kennzahlen
Steuerung des Prozesses über Abteilungsgrenzen hinweg
Initiierung und Umsetzung von Verbesserungsmaßnahmen
Kommunikation mit Stakeholdern (Kunden, Management, angrenzende Prozesse)
Sicherstellung der Prozess-Compliance (ISO-Standards, rechtliche Anforderungen)
Abgrenzung zum Linienmanager: Der Linienmanager verantwortet Mitarbeiter und Ressourcen eines Bereichs, der Prozessverantwortliche verantwortet den Ablauf über mehrere Bereiche. In Matrix-Organisationen existieren beide Rollen parallel.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 10, 74-78
Schmelzer, H. J. / Sesselmann, W. (2020): Geschäftsprozessmanagement in der Praxis, 9. Aufl., Hanser
Modell zur systematischen Bewertung des Entwicklungsstands einer Organisation im Prozessmanagement. Reifegradmodelle definieren mehrere Stufen (typischerweise 0 bis 5), die von ad-hoc durchgeführten Prozessen über standardisierte und messbare Prozesse bis hin zu kontinuierlich optimierten und selbst-lernenden Prozessen reichen.
Reifegradmodelle dienen der Eigenbewertung einer Organisation und als Grundlage für strategische Entwicklungsplanung im Prozessmanagement.
Typische fünf Reifegrade:
Stufe 0 / Initial: Prozesse existieren, sind aber nicht dokumentiert. Ausführung ist personenabhängig und ad-hoc.
Stufe 1 / Dokumentiert: Wichtige Prozesse sind dokumentiert, aber Ausführung variiert stark.
Stufe 2 / Gelebt: Prozesse werden standardisiert ausgeführt, Abweichungen werden erkannt.
Stufe 3 / Gemessen: Prozessziele und Kennzahlen sind definiert und werden regelmäßig gemessen.
Stufe 4 / Gesteuert: Prozesse werden aktiv gesteuert, Abweichungen führen zu Korrekturmaßnahmen.
Stufe 5 / Optimiert: Kontinuierliche Verbesserung auf Basis von Daten und Analyse.
Das PEMM-Modell nach Hammer ergänzt diese Prozess-Dimension um eine Enterprise-Dimension, die Führungskultur, Kompetenzen und Strukturen bewertet.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 23-27
Hammer, M. (2007): Process and Enterprise Maturity Model (PEMM)
GPM Österreich: Reifegradmodell für Prozessmanagement
Technologie zur Automatisierung regelbasierter, repetitiver Aufgaben durch Software-Roboter, die Benutzeroberflächen wie ein menschlicher Bearbeiter bedienen. RPA ergänzt oder ersetzt manuelle Tätigkeiten, ohne bestehende IT-Systeme anpassen zu müssen, und eignet sich besonders für strukturierte Prozesse ohne Medienbrüche.
RPA unterscheidet sich von klassischen WFMS darin, dass es auf der Ebene der Benutzeroberfläche agiert: Ein Software-Roboter imitiert Mausbewegungen, Tastatureingaben und Klicks in bestehenden Anwendungen. Damit können Prozesse automatisiert werden, die über mehrere Systeme ohne vollständige API-Integration laufen.
Typische RPA-Einsatzbereiche:
Dateneingabe aus Dokumenten in mehrere Zielsysteme
Rechnungsverarbeitung mit Abgleich zu ERP und CRM
Stammdaten-Synchronisation zwischen nicht integrierten Anwendungen
Standard-Reporting aus mehreren Datenquellen
Grenzen: RPA ist brüchig bei UI-Änderungen, skaliert schlecht bei unstrukturierten Inputs und bleibt eine Umgehungslösung, wenn bessere Integrationen technisch möglich wären. Für komplexe Prozesse wird RPA oft mit BPM-Engines und KI-basierten Komponenten kombiniert.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 7-8, 191-194
BPMN-Element, grafisch als durchgezogener Pfeil, das die Reihenfolge der Aktivitäten innerhalb eines Pools festlegt. Der Sequenzfluss verbindet Aktivitäten, Gateways und Ereignisse miteinander und definiert den Kontrollfluss des Prozesses.
Der Kontrollfluss kann optional durch Annotationen am Pfeil erläutert werden (z. B. „Rechnung ok”, „Bonität negativ”). Bei Verzweigungen durch Gateways stehen diese Annotationen an den ausgehenden Pfeilen und beschreiben, unter welcher Bedingung der jeweilige Pfad gewählt wird.
Die BPMN erlaubt es, einen der ausgehenden Pfade eines Gateways als „Standardsequenzfluss” (Default Flow) zu markieren. Dieser Pfad wird gewählt, wenn keine der anderen Bedingungen zutrifft. Grafisch wird der Standardsequenzfluss durch einen kleinen Querstrich am Pfeilanfang gekennzeichnet.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 157
BPMN-Element, das den Beginn eines Prozesses kennzeichnet. Grafisch ein Kreis mit dünner Linie. Jeder Prozess muss mindestens ein Start-Ereignis besitzen, das den Auslöser (Trigger) definiert: Nachricht, Timer, Bedingung, Signal oder ein einfaches None-Event ohne spezifischen Trigger.
Das Start-Ereignis markiert den Eintritt in einen Geschäftsprozess. Ohne Start-Ereignis ist ein Prozess in BPMN 2.0 syntaktisch unvollständig: Die Spezifikation verlangt mindestens ein Start-Ereignis pro Prozess (mit Ausnahme bestimmter Sub-Prozess-Konstellationen).
Das Symbol ist ein Kreis mit einer dünnen Linie (Strichstärke 1 in der OMG-Spezifikation). Der Auslöser kann durch ein inneres Symbol konkretisiert werden:
None Start Event (leerer Kreis): kein spezifischer Auslöser, der Prozess startet auf Aufforderung
Message Start Event (Briefumschlag): Eingehende Nachricht startet den Prozess
Timer Start Event (Uhr): Zeitbasierter Auslöser, etwa täglich oder monatlich
Conditional Start Event (Liniensymbol): Eine Geschäftsregel ist erfüllt
Signal Start Event (Dreieck): Ein Signal aus einem anderen Prozess wurde empfangen
In der Praxis wird häufig das None Start Event genutzt, weil der konkrete Auslöser in der textuellen Prozessbeschreibung ohnehin festgehalten ist.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 165
OMG (2011): Business Process Model and Notation (BPMN) Specification, Version 2.0, S. 233 ff.
Prozess, der das Zusammenspiel aller Geschäftsprozesse aktiv eingreifend regelt. Steuerungsprozesse sind die unternehmerische Klammer über leistungserstellende und unterstützende Prozesse und sorgen für eine zielorientierte Struktur des Prozessgefüges.
Typische Beispiele für Steuerungsprozesse sind Strategieentwicklung, Controlling, Produktplanung und Personalsteuerung.
Die Abgrenzung zu Unterstützungsprozessen fällt nicht immer einfach. Die zentrale Frage bei der Einordnung ist, ob ein Prozess andere Prozesse in ihrer Struktur oder auch Existenz beeinflusst. Wenn ja, handelt es sich um einen Steuerungsprozess.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 13
BPMN-Element, das eine Aktivität kapselt, die selbst wieder aus einem Prozessmodell besteht. Subprozesse erlauben die Hierarchisierung komplexer Prozesse und die Wiederverwendung definierter Abläufe in verschiedenen Kontexten. BPMN unterscheidet eingebettete Subprozesse (im Diagramm ausgeklappt oder zugeklappt) und wiederverwendbare Subprozesse (Call Activities).
Ein Subprozess wird grafisch als abgerundetes Rechteck mit einem Pluszeichen (+) am unteren Rand dargestellt (zugeklappter Zustand). Im ausgeklappten Zustand wird das innere Prozessmodell direkt im übergeordneten Diagramm sichtbar.
Zwei Haupttypen:
Eingebetteter Subprozess (Embedded Subprocess): Gehört zum Elternprozess, ist darin definiert. Eigene Variablen und Ereignisse gelten nur lokal.
Call Activity (Wiederverwendbarer Subprozess): Verweist auf ein anderes, eigenständig definiertes Prozessmodell. Ermöglicht Wiederverwendung über Prozessgrenzen hinweg.
Subprozesse sind ein zentrales Strukturierungsmittel für komplexe Geschäftsprozesse und entsprechen der Prozesshierarchie im betriebswirtschaftlichen Sinne: Ein Hauptprozess zerlegt sich in Teilprozesse, diese wiederum in elementare Prozessschritte.
Quellen
OMG (2011): Business Process Model and Notation (BPMN) Specification, Version 2.0, S. 171 ff.
Allweyer, T. (2015): BPMN 2.0, 3. Aufl., Norderstedt
Verfahren, bei dem aus einer natürlichsprachlichen Prozessbeschreibung ein valides BPMN 2.0 Diagramm generiert wird. Die Methode nutzt Large Language Models (LLMs) zur Textanalyse und Strukturerkennung sowie deterministische Layout-Algorithmen zur korrekten Positionierung der BPMN-Elemente.
Die Text-zu-BPMN-Pipeline besteht typischerweise aus fünf Schritten:
Textanalyse: Die KI erkennt Akteure, Aktivitäten, Entscheidungspunkte und Sequenzen im Beschreibungstext
Struktur-Generierung: Aus der Textanalyse wird eine BPMN-konforme Struktur mit Lanes, Tasks, Gateways und Events abgeleitet
Layout-Berechnung: Ein Algorithmus berechnet die optimale Positionierung der Elemente auf dem Diagramm-Canvas
XML-Generierung: Das Ergebnis wird als valides BPMN 2.0 XML ausgegeben
Visualisierung: Das Diagramm wird interaktiv im Browser dargestellt
Im Gegensatz zu manuellem Modellieren dauert Text-zu-BPMN nicht 30-60 Minuten pro Prozess, sondern Sekunden. Das Ergebnis ist konsistent standardkonform, unabhängig von der BPMN-Erfahrung des Modellierers.
Quellen
Stafidis, J. (2026): Einsatz künstlicher Intelligenz für die automatisierte Generierung von Geschäftsprozessmodellen, Master-Thesis, FOM Hochschule für Oekonomie & Management
Prozess mit keinem oder nur sehr geringem Wertschöpfungsanteil, der Querschnittsleistungen für andere Prozesse anbietet, ohne die die Wertschöpfung des Unternehmens nicht erbracht werden kann. Unterstützungsprozesse sind in der Regel nicht wettbewerbskritisch und nicht direkt im Wahrnehmungsbereich des Kunden.
Beispiele für Unterstützungsprozesse sind Finanzbuchhaltung, Kostenrechnung, Berichtswesen und Personalwesen. Sie sind meist entweder für das ganze Unternehmen wirksam (z. B. Informationstechnik, Verwaltung) oder bedienen mehrere Kernprozesse gleichzeitig.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 13
Ansatz zur Prozessmodellierung, bei dem Geschäftsprozesse in natürlicher Sprache beschrieben werden und eine KI daraus ein valides BPMN 2.0 Diagramm generiert. Vibe-Modelling überträgt das Prinzip des Vibe Codings (natürlichsprachliche Code-Generierung) auf die Prozessmodellierung und macht BPMN ohne Vorkenntnisse zugänglich.
Vibe-Modelling schließt die Lücke zwischen dem Verständnis eines Prozesses und seiner formalen Darstellung als BPMN-Diagramm. Statt BPMN-Symbole manuell zu platzieren, wird der Prozess beschrieben, wie einem Kollegen erklärt.
Aus der natürlichsprachlichen Beschreibung generiert die KI automatisch:
Start- und End-Events aus Prozess-Auslösern und -Abschlüssen
Tasks aus beschriebenen Aktivitäten
Gateways aus Entscheidungen und Parallelitäten
Swimlanes aus beteiligten Rollen oder Abteilungen
Sequenzflüsse mit Beschriftung
Vergleich zur traditionellen Modellierung:
Traditionell
Vibe-Modelling
Input
BPMN-Notation, Drag & Drop
Natürliche Sprache
Expertise
BPMN-Kenntnisse erforderlich
Keine Vorkenntnisse nötig
Geschwindigkeit
30-60 Minuten pro Prozess
Sekunden
Ergebnis
Abhängig vom Modellierer
Konsistent, standardkonform
Quellen
Procevia Blog: Was ist Vibe-Modelling? (2026-03-18), procevia.de/blog/was-ist-vibe-modelling
Ein formal beschriebener, ganz oder teilweise automatisierter Geschäftsprozess, der die zeitlichen, fachlichen und ressourcenbezogenen Spezifikationen für eine automatische Steuerung des Arbeitsablaufs auf der operativen Ebene enthält. Der Workflow ist die informationstechnische Verfeinerung des betriebswirtschaftlichen Geschäftsprozesses.
Der zentrale Unterschied zwischen Geschäftsprozess und Workflow: Beim Geschäftsprozess steuert der Mensch den Ablauf, beim Workflow übernimmt der Computer die Ablaufsteuerung.
Geschäftsprozess vs. Workflow:
Dimension
Geschäftsprozess
Workflow
Ebene
Fachlich-konzeptionell
Operativ
Frage
„Was” wird getan?
„Wie” wird es gesteuert?
Steuerung
Mensch
Computer
Detaillierungsgrad
Arbeitsschritte eines Mitarbeiters
Von Software ausführbar
Disziplin
Betriebswirtschaft
Informatik
Von einem Workflow als Typ oder Schema ist die Workflow-Instanz zu unterscheiden, die eine konkrete einzelne Ausführung des Workflows bezeichnet.
Quellen
Gehring, H. (1998), zitiert in: Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 18
Galler und Scheer (1995): Workflow als technische Verfeinerung des Geschäftsprozesses
Softwaresystem zur Modellierung, Ausführung und Überwachung von Workflows. Ein WFMS steuert Arbeitsabläufe auf Basis formaler Prozessdefinitionen, leitet Aufgaben an die richtigen Bearbeiter weiter, protokolliert die Ausführung und stellt Daten für die Analyse bereit.
Typische Aufgaben eines WFMS:
Prozessdefinition: Modellierung der Workflow-Schemata in einer ausführbaren Sprache (z. B. BPMN 2.0 Executable)
Ablaufsteuerung: Ausführung der Workflow-Instanzen auf Basis der Definition
Ressourcenzuordnung: Task-Zuordnung an Rollen, Personen oder automatisierte Services
Monitoring: Laufzeit-Überwachung von Fortschritt, Durchlaufzeiten, Ausnahmen
Historisierung: Persistierung der ausgeführten Instanzen für Analyse und Audit
Bekannte WFMS und BPM-Engines: Camunda, Signavio (SAP), jBPM, Activiti. Zeitgemäße Systeme unterstützen BPMN 2.0 als Ausführungsstandard und integrieren sich in bestehende Unternehmenslandschaften über REST-APIs und Event-Architekturen.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 7-8, 186-191
Weske, M. (2024): Business Process Management: Concepts, Languages, Architectures, 3rd Edition, Springer
BPMN-Element, das einen Zustand oder Auslöser zwischen Start- und End-Ereignis kennzeichnet. Grafisch ein doppelt umrandeter Kreis. Zwischenereignisse können werfend (throwing) oder fangend (catching) sein und unterbrechen den Prozess oder werden parallel daran angehängt (Boundary Event).
Das Zwischenereignis bildet zeitliche oder kausale Bezugspunkte innerhalb eines laufenden Prozesses ab. Es macht sichtbar, dass an einer bestimmten Stelle auf etwas gewartet wird (Catching Event), oder dass an dieser Stelle eine Wirkung nach außen erfolgt (Throwing Event).
Visuell ist das Zwischenereignis durch zwei konzentrische Kreise gekennzeichnet, die OMG-Spezifikation nennt dafür Strichstärke 1 für beide Kreise. Diese Konvention erlaubt Lesenden, Zwischen-Ereignisse von Start (ein dünner Kreis) und Ende (ein dicker Kreis) zu unterscheiden.
Häufige Anwendungsfälle:
Timer Intermediate Catching Event: Wartet eine definierte Zeit (etwa “warte 7 Tage auf Antwort”)
Message Intermediate Catching Event: Pausiert den Prozess, bis eine Nachricht eintrifft
Message Intermediate Throwing Event: Sendet aktiv eine Nachricht, ohne den Pfad zu unterbrechen
Boundary Event: An eine Aktivität angehängtes Zwischenereignis, das den Prozess umlenkt, wenn ein Fehler oder Timeout auftritt (etwa “wenn Genehmigung nicht innerhalb 5 Tagen, eskaliere”)
Das Boundary Event ist besonders mächtig: Es bildet Geschäftsregeln wie Eskalationen, Timeouts und Ausnahmebehandlung visuell klar ab, ohne den Hauptpfad zu verstecken.
Quellen
Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 167
OMG (2011): Business Process Model and Notation (BPMN) Specification, Version 2.0, S. 250 ff.