Chat-Editing

Procevia

Auch: Chat-basiertes Editing , Conversational BPMN Editing

Verfahren zur Bearbeitung bestehender BPMN-Diagramme über natürlichsprachliche Anweisungen im Chat. Statt Elemente manuell zu bearbeiten, werden Änderungen in natürlicher Sprache formuliert (z. B. 'Benenne den Task um' oder 'Mach das Gateway inklusiv'), und die KI setzt sie im Diagramm um. Auch Vorschläge zur Prozessoptimierung sind möglich.

Typische Chat-Editing-Anweisungen:

  • „Benenne den Task ‚Willkommensgespräch‘ um in ‚Onboarding-Meeting‘”
  • „Mach das parallele Gateway zu einem inklusiven Gateway”
  • „Markiere den Task ‚Rechnung prüfen‘ als Service-Aufgabe”
  • „Lösche den Subprozess ‚Reklamation‘ samt aller Verbindungen”
  • „Wo lässt sich dieser Prozess verschlanken?”

Jede Änderung wird sofort im Diagramm sichtbar, ohne manuelles Umbauen. Chat-Editing ergänzt die initiale Generierung durch Vibe-Modelling und den visuellen Editor um eine konversationale Schnittstelle für Umbenennungen, Element-Eigenschaften, das Entfernen von Elementen und Vorschläge zur Prozessoptimierung.

Wie funktioniert Chat-Editing technisch?

Chat-Editing verbindet ein Sprachmodell mit dem Prozessmodell: Das Modell erhält das aktuelle Diagramm und die Anweisung, leitet daraus eine strukturierte Änderung ab, und diese wird auf das Diagramm angewendet und validiert. Kourani und Kollegen beschreiben genau dieses Muster als Rahmenwerk mit einer interaktiven Rückkopplungsschleife, in der generierte Modelle anhand des Nutzerfeedbacks verfeinert werden, ergänzt um ein Fehlerbehandlungsverfahren, das bei ungültigen Ergebnissen einen präzisierten Prompt zurück an das Sprachmodell sendet (Kourani et al. 2024).

Entscheidend ist, dass das Sprachmodell nicht das Diagramm zeichnet, sondern eine Änderung vorschlägt, die ein regelbasierter Teil des Systems prüft. So bleibt das Ergebnis ein gültiges BPMN-Modell, auch wenn die Formulierung der Anweisung unpräzise war.

Welche Änderungen eignen sich für den Chat?

Alles, was sich in einem Satz sagen lässt und ein klares Ziel hat: „Benenne die Aufgabe um“, „Mach das Gateway parallel“, „Füge nach der Prüfung eine Freigabe ein“, „Lösche den Subprozess samt Verbindungen“. Auch Fragen an das Modell gehören dazu, etwa wo sich ein Prozess verschlanken lässt.

Weniger geeignet sind Änderungen, die räumliches Feingefühl brauchen, etwa ein Element um wenige Pixel verschieben, oder Änderungen ohne eindeutiges Ziel. Hier ist der visuelle Editor schneller. Die Faustregel: Inhaltliche Änderungen per Chat, gestalterische per Hand.

Was sagt die Forschung zur konversationellen Modellierung?

Klievtsova und Kollegen haben Chatbots systematisch auf ihre Eignung für konversationelle Prozessmodellierung untersucht, Anwendungsszenarien entlang des Prozesslebenszyklus identifiziert, darunter das Umformulieren und Verbessern von Prozessbeschreibungen, und daraus eine Taxonomie sowie Empfehlungen für Praxis und Forschung abgeleitet (Klievtsova et al. 2023). Vidgof, Bachhofner und Mendling ordnen die Möglichkeiten großer Sprachmodelle den Managementaufgaben des BPM-Lebenszyklus zu und benennen sechs Forschungsrichtungen samt Nutzungshinweisen für Praktiker (Vidgof et al. 2023).

Beide Arbeiten kommen zum selben Schluss: Der Nutzen liegt weniger im einmaligen Erzeugen eines Modells als im iterativen Dialog, in dem Fachbereich und System das Modell gemeinsam schärfen.

Häufige Fragen zu Chat-Editing

Ersetzt Chat-Editing den visuellen Editor?
Nein, es ergänzt ihn. Inhaltliche Änderungen wie Umbenennen, Umbauen oder Löschen gehen per Chat schneller; das genaue Verschieben eines Elements oder Feinarbeit am Layout bleibt Sache des Editors.
Was passiert, wenn die Anweisung mehrdeutig ist?
Dann fragt das System nach, statt zu raten, etwa wenn zwei Aufgaben ähnlich heißen. Eine Änderung wird erst angewendet, wenn eindeutig ist, welches Element gemeint ist.

Quellen

  • Procevia Produktdokumentation (2026)
  • Kourani, H. / Berti, A. / Schuster, D. / van der Aalst, W. M. P. (2024): Process Modeling with Large Language Models, BPMDS/EMMSAD 2024
  • Klievtsova, N. et al. (2023): Conversational Process Modelling: State of the Art, Applications, and Implications in Practice
  • Vidgof, M. / Bachhofner, S. / Mendling, J. (2023): Large Language Models for Business Process Management: Opportunities and Challenges, BPM 2023 Forum

Autor: Jordanis Kleinöder Stafidis, Gründer und Geschäftsführer der Procevia GmbH · Aktualisiert am

Siehe auch: Vibe-Modelling , Text-zu-BPMN , BPMN

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