Vibe-Modelling

Procevia

Auch: Vibe Modelling , Vibe-BPMN

Ansatz zur Prozessmodellierung, bei dem Geschäftsprozesse in natürlicher Sprache beschrieben werden und eine KI daraus ein valides BPMN 2.0 Diagramm generiert. Vibe-Modelling überträgt das Prinzip des Vibe Codings (natürlichsprachliche Code-Generierung) auf die Prozessmodellierung und macht BPMN ohne Vorkenntnisse zugänglich.

Vibe-Modelling schließt die Lücke zwischen dem Verständnis eines Prozesses und seiner formalen Darstellung als BPMN-Diagramm. Statt BPMN-Symbole manuell zu platzieren, wird der Prozess beschrieben, wie einem Kollegen erklärt.

Aus der natürlichsprachlichen Beschreibung generiert die KI automatisch:

  • Start- und End-Events aus Prozess-Auslösern und -Abschlüssen
  • Tasks aus beschriebenen Aktivitäten
  • Gateways aus Entscheidungen und Parallelitäten
  • Swimlanes aus beteiligten Rollen oder Abteilungen
  • Sequenzflüsse mit Beschriftung

Vergleich zur traditionellen Modellierung:

TraditionellVibe-Modelling
InputBPMN-Notation, Drag & DropNatürliche Sprache
ExpertiseBPMN-Kenntnisse erforderlichKeine Vorkenntnisse nötig
Geschwindigkeit30-60 Minuten pro ProzessSekunden
ErgebnisAbhängig vom ModelliererKonsistent, standardkonform

Was unterscheidet Vibe Modelling von klassischer Modellierung?

Die Reihenfolge der Arbeit. Klassisch lernt man zuerst die Notation, zeichnet dann Symbol für Symbol und prüft am Ende, ob das Modell den Prozess trifft. Beim Vibe Modelling beschreibt man zuerst den Prozess, erhält sofort ein Modell und verbringt die Zeit mit Prüfen und Nachschärfen. Kourani und Kollegen fassen den Anspruch so: Sprachmodelle machen die Modellierung zugänglicher, bieten Nicht-Experten einen intuitiven Einstieg und steigern zugleich die Effizienz von Experten (Kourani et al. 2024).

Der Begriff lehnt sich an das Vibe Coding an, bei dem Software im Dialog mit einem Sprachmodell entsteht. Übertragen auf Prozesse heißt das: Der Fachbereich erklärt seinen Ablauf so, wie er ihn einem neuen Kollegen erklären würde, und das Modell folgt der Erklärung.

Wo steht die Praxis beim Einsatz von KI im Prozessmanagement?

Die BPM Pulse Survey 2026 von BearingPoint und BPM&O zeigt ein geteiltes Bild: 55 Prozent der befragten Organisationen testen KI aktiv, 9 Prozent haben sie bereits in mehreren Prozessen im Einsatz, 35 Prozent stehen noch am Anfang (BearingPoint/BPM&O 2026, S. 7). Die Studie beschreibt 2026 als Wendepunkt, an dem KI-Systeme nicht mehr nur analysieren, sondern zunehmend Entscheidungen vorbereiten und Prozessverantwortliche entlasten, getrieben auch vom Fachkräftemangel (BearingPoint/BPM&O 2026, S. 3).

Für die Dokumentation von Prozessen ist das die niedrigste Einstiegshürde: Kein System muss angebunden, kein Prozess automatisiert werden. Es braucht nur eine Beschreibung und jemanden, der das Ergebnis prüft.

Wo liegen die Grenzen?

In der pragmatischen Qualität. Hörner und Reichert zeigen, dass syntaktisch korrekte und semantisch zutreffende Modelle inzwischen erreichbar sind, die Nützlichkeit für Leser aber die anspruchsvollste Dimension bleibt und eigens untersucht werden muss, einschließlich der kognitiven Belastung beim Lesen (Hörner/Reichert 2025). Ein erzeugtes Modell kann korrekt und trotzdem zu detailliert, zu grob oder falsch geschnitten sein.

Deshalb gehören zwei Dinge zum Vibe Modelling dazu: Modellierungsregeln, die das System einhält, damit der Entwurf lesbar ist, und ein Mensch, der den Entwurf gegen die Realität prüft. Wer beides einplant, bekommt in Minuten, wofür früher Tage nötig waren, ohne die Qualität der Dokumentation zu opfern.

Häufige Fragen zu Vibe-Modelling

Ist Vibe Modelling nur etwas für Einsteiger?
Nein. Kourani und Kollegen beschreiben den doppelten Nutzen: ein intuitiver Einstieg für Nicht-Experten und mehr Effizienz für Experten, die den Entwurf in Sekunden bekommen und ihre Zeit auf das Nachschärfen verwenden.
Wie verhindert man, dass ein falsches Modell ungeprüft übernommen wird?
Durch den Freigabeschritt. Das erzeugte Modell ist ein Entwurf, den der Prozessverantwortliche liest und bestätigt. Vibe Modelling beschleunigt das Erstellen, die Verantwortung für den Inhalt bleibt beim Menschen.

Quellen

  • Procevia Blog: Was ist Vibe-Modelling? (2026-03-18), procevia.de/blog/was-ist-vibe-modelling/
  • Kourani, H. / Berti, A. / Schuster, D. / van der Aalst, W. M. P. (2024): Process Modeling with Large Language Models, BPMDS/EMMSAD 2024
  • BearingPoint / BPM&O (2026): BPM Pulse Survey 2026: Prozessmanagement mit Künstlicher Intelligenz, S. 3, 7
  • Hörner, L. F. / Reichert, M. (2025): Automatically Generating BPMN 2.0 Process Models from Natural Language Process Descriptions: Challenges, Framework, Quality Assessment, Business & Information Systems Engineering

Autor: Jordanis Kleinöder Stafidis, Gründer und Geschäftsführer der Procevia GmbH · Aktualisiert am

Siehe auch: BPMN , Text-zu-BPMN , Chat-Editing

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