Datenobjekt
BPMNAuch: Data Object
BPMN-Element zur Darstellung von Daten, die zwischen Prozessschritten weitergegeben werden. Datenobjekte kommen zum Einsatz, wenn Daten zwischen Tasks übertragen werden, etwa weil verschiedene Informationssysteme genutzt werden, und stellen den Input oder Output von Prozessschritten dar.
Ein Datenobjekt wird grafisch als Dokumenten-Symbol (Seite mit umgeknickter Ecke) dargestellt und mit dem zugehörigen Task über eine gestrichelte Linie (Data Association) verbunden.
Beispiel: Eine Faktura wird im Vertriebssystem erfasst, an den Kunden übermittelt und anschließend elektronisch an ein Buchhaltungssystem übertragen und dort als Debitorenrechnung gebucht. Die Rechnung selbst wird als Datenobjekt modelliert, um den Fluss der Daten zwischen den beteiligten Systemen sichtbar zu machen.
Was sagt ein Datenobjekt im Diagramm aus?
Datenobjekte stellen Informationen und Material dar, die in Aktivitäten hinein- und aus ihnen herausfließen; das können physische Objekte wie eine Papierrechnung, Material wie ein Produkt oder elektronische Objekte wie eine E-Mail sein (Dumas et al. 2018, S. 93). Die Richtung der gestrichelten Datenassoziation sagt, ob eine Aktivität das Objekt erzeugt oder liest: Pfeil zum Objekt heißt schreiben, Pfeil vom Objekt heißt lesen (Weske 2024, S. 214).
Datenobjekte haben keinen Einfluss auf den Ablauf. Sie dokumentieren, welche Information ein Schritt braucht und hinterlässt, und machen damit sichtbar, wo Medienbrüche entstehen.
Wie nutzt man Zustände von Datenobjekten?
Ein Datenobjekt kann einen Zustand in eckigen Klammern tragen, etwa Bestellung [eingegangen], Bestellung [geprüft], Bestellung [bearbeitet]. So lässt sich ein einzelnes Objekt durch den ganzen Prozess verfolgen, und jede Aufgabe zeigt, welchen Zustand sie voraussetzt und welchen sie herstellt (Weske 2024, S. 235).
Für Fachmodelle ist das ein einfaches, aber wirksames Mittel: Die Zustände eines Dokuments sind oft genau die Stationen, die ein Prozessverantwortlicher später messen will, etwa wie lange eine Bestellung im Zustand „geprüft“ liegt, bevor sie bearbeitet wird.
Wann sollte man auf Datenobjekte verzichten?
BPMN ist eine Prozesssprache, keine Datenmodellierungssprache; die innere Struktur eines Datenobjekts lässt sich nicht beschreiben, dafür gibt es UML-Klassendiagramme (Weske 2024, S. 234). Gadatsch empfiehlt, auf Datenobjekte zu verzichten, wenn alle Daten im Pool ohnehin in einem System verfügbar sind, und sie erst dann zu modellieren, wenn Daten zwischen Schritten oder Systemen weitergegeben werden (Gadatsch 2025, S. 164). Als Faustregel: Datenobjekte dort, wo eine Übergabe stattfindet oder ein Zustandswechsel für die Steuerung wichtig ist, sonst nicht.
Häufige Fragen zu Datenobjekt
- Ersetzt ein Datenobjekt den Sequenzfluss?
- Nein. Auch wenn ein Dokument von Aufgabe A an Aufgabe B weitergegeben wird, muss der Sequenzfluss von A nach B modelliert werden. Das Datenobjekt zeigt nur, was fließt, nicht die Reihenfolge.
- Kann ein Datenobjekt ein physisches Ding sein?
- Ja. Datenobjekte stehen für Informationen und Material: eine Papierrechnung, eine E-Mail, eine PDF-Datei oder ein Produkt, das versendet wird.
Quellen
- Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 164
- OMG (2011): Business Process Model and Notation (BPMN) Specification, Version 2.0, S. 203 ff.
- Weske, M. (2024): Business Process Management. Concepts, Languages, Architectures, 4. Aufl., Springer, S. 213 f., 234 f.
- Dumas, M. / La Rosa, M. / Mendling, J. / Reijers, H. A. (2018): Fundamentals of Business Process Management, 2. Aufl., Springer, S. 93 f.
Autor: Jordanis Kleinöder Stafidis, Gründer und Geschäftsführer der Procevia GmbH · Aktualisiert am
Siehe auch: Datenspeicher , BPMN