Start-Ereignis

BPMN

Auch: Start Event , Startsymbol

BPMN-Element, das den Beginn eines Prozesses kennzeichnet. Grafisch ein Kreis mit dünner Linie. Jeder Prozess muss mindestens ein Start-Ereignis besitzen, das den Auslöser (Trigger) definiert: Nachricht, Timer, Bedingung, Signal oder ein einfaches None-Event ohne spezifischen Trigger.

Das Start-Ereignis markiert den Eintritt in einen Geschäftsprozess. Ohne Start-Ereignis ist ein Prozess in BPMN 2.0 syntaktisch unvollständig: Die Spezifikation verlangt mindestens ein Start-Ereignis pro Prozess (mit Ausnahme bestimmter Sub-Prozess-Konstellationen).

Das Symbol ist ein Kreis mit einer dünnen Linie (Strichstärke 1 in der OMG-Spezifikation). Der Auslöser kann durch ein inneres Symbol konkretisiert werden:

  • None Start Event (leerer Kreis): kein spezifischer Auslöser, der Prozess startet auf Aufforderung
  • Message Start Event (Briefumschlag): Eingehende Nachricht startet den Prozess
  • Timer Start Event (Uhr): Zeitbasierter Auslöser, etwa täglich oder monatlich
  • Conditional Start Event (Liniensymbol): Eine Geschäftsregel ist erfüllt
  • Signal Start Event (Dreieck): Ein Signal aus einem anderen Prozess wurde empfangen

In der Praxis wird häufig das None Start Event genutzt, weil der konkrete Auslöser in der textuellen Prozessbeschreibung ohnehin festgehalten ist.

Wie wählt man den richtigen Auslöser?

Der Auslöser ist die Antwort auf die Frage, was den Prozess in Gang setzt. Kommt der Anstoß von außen, passt ein Nachrichten-Start-Ereignis; startet der Prozess zu festen Zeiten, ein Zeit-Start-Ereignis; reicht ein Entschluss der Beteiligten, genügt der leere Kreis. Alle Start-Ereignisse sind fangend, sie warten auf etwas und reagieren darauf (Weske 2024, S. 222 f.).

Ein bewährter Test: Lässt sich der Satz „Der Prozess beginnt, sobald …“ vollständig aus dem Symbol ablesen? Wenn nicht, gehört der Auslöser als Beschriftung an das Ereignis, etwa „Bestellung eingegangen“. Solche Beschriftungen beschreiben einen Zustand, keine Tätigkeit, und werden deshalb im Partizip formuliert.

Warum empfehlen Modellierungsrichtlinien nur ein Start-Ereignis?

Die sieben Modellierungsrichtlinien von Mendling, Reijers und van der Aalst raten zu genau einem Start- und einem End-Ereignis. Mehrere Startpunkte erhöhen nachweislich die Fehlerwahrscheinlichkeit eines Modells, und die meisten Workflow-Engines verlangen ohnehin einen eindeutigen Einstieg (Mendling et al. 2010).

In der Praxis heißt das: Gibt es mehrere Auslöser, lohnt sich die Frage, ob es wirklich ein Prozess ist oder zwei. Führen zwei Auslöser nach wenigen Schritten in denselben Ablauf, kann ein einzelnes Start-Ereignis mit der Beschriftung „Anfrage eingegangen“ beide Fälle abdecken; der Kanal wird dann in der Prozessbeschreibung genannt.

Welche Fehler passieren beim Start-Ereignis am häufigsten?

Drei Fehler tauchen in Fachmodellen immer wieder auf. Erstens wird das Start-Ereignis als Tätigkeit beschriftet („Antrag prüfen“), obwohl dort nur ein Zustand hingehört. Zweitens fehlt es ganz, weil das Diagramm mit der ersten Aufgabe beginnt. Drittens werden Start- und End-Ereignis verwechselt, die sich nur durch die Strichstärke unterscheiden (Gadatsch 2025, S. 165). Ein sauberer Einstieg ist die Voraussetzung dafür, dass Leser den Kontrollfluss von links nach rechts verfolgen können.

Häufige Fragen zu Start-Ereignis

Darf ein Prozess mehrere Start-Ereignisse haben?
Ja, wenn der Prozess auf verschiedene Weise ausgelöst wird, etwa per E-Mail oder per Telefonanruf. Für Verständlichkeit und Fehlerprüfung empfehlen die 7PMG trotzdem genau ein Start- und ein End-Ereignis je Modell.
Ist ein Start-Ereignis fangend oder werfend?
Fangend. Ein Start-Ereignis wartet darauf, dass etwas passiert, und startet dann den Prozess. Werfende Ereignisse, die selbst etwas auslösen, gibt es nur als Zwischen- und End-Ereignisse.

Quellen

  • Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 165
  • OMG (2011): Business Process Model and Notation (BPMN) Specification, Version 2.0, S. 233 ff.
  • Weske, M. (2024): Business Process Management. Concepts, Languages, Architectures, 4. Aufl., Springer, S. 222 f.
  • Mendling, J. / Reijers, H. A. / van der Aalst, W. M. P. (2010): Seven Process Modeling Guidelines (7PMG), Information and Software Technology 52(2)

Autor: Jordanis Kleinöder Stafidis, Gründer und Geschäftsführer der Procevia GmbH · Aktualisiert am

Siehe auch: Ereignis , End-Ereignis , Zwischenereignis , BPMN

← Zurück zum Glossar

Jetzt loslegen

Bereit, eure Prozesse
sichtbar zu machen?

Starte kostenlos, kein Abo, keine Kreditkarte.

Jetzt kostenlos starten