Zwischenereignis
BPMNAuch: Intermediate Event , Zwischen-Ereignis
BPMN-Element, das einen Zustand oder Auslöser zwischen Start- und End-Ereignis kennzeichnet. Grafisch ein doppelt umrandeter Kreis. Zwischenereignisse können werfend (throwing) oder fangend (catching) sein und unterbrechen den Prozess oder werden parallel daran angehängt (Boundary Event).
Das Zwischenereignis bildet zeitliche oder kausale Bezugspunkte innerhalb eines laufenden Prozesses ab. Es macht sichtbar, dass an einer bestimmten Stelle auf etwas gewartet wird (Catching Event), oder dass an dieser Stelle eine Wirkung nach außen erfolgt (Throwing Event).
Visuell ist das Zwischenereignis durch zwei konzentrische Kreise gekennzeichnet, die OMG-Spezifikation nennt dafür Strichstärke 1 für beide Kreise. Diese Konvention erlaubt Lesenden, Zwischen-Ereignisse von Start (ein dünner Kreis) und Ende (ein dicker Kreis) zu unterscheiden.
Häufige Anwendungsfälle:
- Timer Intermediate Catching Event: Wartet eine definierte Zeit (etwa “warte 7 Tage auf Antwort”)
- Message Intermediate Catching Event: Pausiert den Prozess, bis eine Nachricht eintrifft
- Message Intermediate Throwing Event: Sendet aktiv eine Nachricht, ohne den Pfad zu unterbrechen
- Boundary Event: An eine Aktivität angehängtes Zwischenereignis, das den Prozess umlenkt, wenn ein Fehler oder Timeout auftritt (etwa “wenn Genehmigung nicht innerhalb 5 Tagen, eskaliere”)
Das Boundary Event ist besonders mächtig: Es bildet Geschäftsregeln wie Eskalationen, Timeouts und Ausnahmebehandlung visuell klar ab, ohne den Hauptpfad zu verstecken.
Wann gehört ein Zwischenereignis ins Modell?
Ein Zwischenereignis gehört ins Modell, wenn der Prozess an einer Stelle auf etwas wartet oder selbst etwas nach außen auslöst. Reine Zustandsbeschreibungen wie „Antrag liegt vor“ braucht BPMN im Gegensatz zur EPK nicht; Gadatsch zählt Zwischenereignisse deshalb zu den optionalen Elementen (Gadatsch 2025, S. 165).
Zwei Fragen helfen bei der Entscheidung. Wartet der Prozess hier auf etwas, das er nicht selbst steuert, etwa eine Kundenantwort oder einen Termin? Dann ein fangendes Ereignis. Teilt der Prozess hier etwas nach außen mit, ohne auf eine Reaktion zu warten? Dann ein werfendes Ereignis. Weske beschreibt den Unterschied so: Fangende Ereignisse warten darauf, dass etwas geschieht, werfende Ereignisse lösen es aktiv aus (Weske 2024, S. 222).
Wie funktionieren angeheftete Zwischenereignisse?
Angeheftete Zwischenereignisse sitzen am Rand einer Aufgabe oder eines Subprozesses und werden nur ausgelöst, solange diese Aktivität aktiv ist. Sie bilden Ausnahmen ab, ohne den Hauptpfad zu verstecken (Weske 2024, S. 223 f.).
Es gibt zwei Spielarten. Unterbrechende Ereignisse mit durchgezogenem Rand brechen die Aktivität ab und lenken den Prozess um, zum Beispiel ein Storno während der Buchung. Nicht unterbrechende Ereignisse mit gestricheltem Rand lassen die Aktivität weiterlaufen und starten parallel einen Zusatzpfad, etwa eine Statusauskunft, während die Bearbeitung weitergeht. Sie können mehrfach auslösen, solange die Aktivität läuft.
Welche Zwischenereignisse werden in der Praxis am meisten genutzt?
Nachrichten- und Zeitereignisse machen den Großteil aus. Zeitereignisse sind vielseitig: Sie stehen für eine Wartedauer, einen festen Zeitpunkt oder eine Frist an einer Aufgabe. In BPMN werden diese Werte in den Attributen timeDuration, timeDate und timeCycle gespeichert (Weske 2024, S. 225). Verbindungsereignisse bilden eine Ausnahme: Sie stehen für nichts Reales, sondern verbinden zwei Diagrammteile über Seitengrenzen hinweg, so als läge dort ein Sequenzfluss.
Häufige Fragen zu Zwischenereignis
- Was ist der Unterschied zwischen fangend und werfend?
- Fangende Zwischenereignisse warten, bis etwas eintritt, zum Beispiel eine Nachricht oder ein Zeitpunkt. Werfende Zwischenereignisse lösen selbst etwas aus, etwa das Senden einer Nachricht, und der Prozess läuft sofort weiter.
- Wann nimmt man ein angeheftetes Zwischenereignis?
- Wenn während einer Aufgabe etwas passieren kann, das den normalen Ablauf unterbricht oder ergänzt, etwa ein Storno oder eine Fristüberschreitung. Das Ereignis sitzt dann am Rand der Aufgabe statt im Sequenzfluss.
Quellen
- Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 167
- OMG (2011): Business Process Model and Notation (BPMN) Specification, Version 2.0, S. 250 ff.
- Weske, M. (2024): Business Process Management. Concepts, Languages, Architectures, 4. Aufl., Springer, S. 222 bis 225
- OMG (2014): Business Process Model and Notation (BPMN), Version 2.0.2, Object Management Group
Autor: Jordanis Kleinöder Stafidis, Gründer und Geschäftsführer der Procevia GmbH · Aktualisiert am
Siehe auch: Ereignis , Start-Ereignis , End-Ereignis , BPMN