BPMN-Regeln (Modellierungsrichtlinien)
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Konventionen und Best Practices, die BPMN-Modelle verständlich und einheitlich machen. Sie betreffen unter anderem Benennung, Layout, Größe und Struktur von Modellen. Verständlichkeitsrichtlinien helfen, schwer lesbare Modelle zu vermeiden.
BPMN gibt vor, welche Symbole es gibt, aber nicht, wie man sie gut einsetzt. Diese Lücke füllen Modellierungsrichtlinien: Sie sammeln bewährte Konventionen für benennbare, übersichtliche und einheitliche Modelle.
Corradini und Kollegen haben ein Rahmenwerk aus 50 Verständlichkeitsrichtlinien zusammengestellt, das sie aus 89 Quellen der Fachliteratur synthetisiert haben. Es benennt typische Schwachstellen und liefert Messgrößen, mit denen sich schwer verständliche Modelle frühzeitig erkennen lassen.
Welche sieben Regeln sind empirisch belegt?
Mendling, Reijers und van der Aalst haben aus empirischen Untersuchungen sieben Modellierungsrichtlinien abgeleitet, die für Praktiker intuitiv formuliert sind (Mendling et al. 2010). Sie lauten: so wenige Elemente wie möglich; die Zahl der Kanten je Element klein halten; ein Start- und ein End-Ereignis; so strukturiert wie möglich modellieren; OR-Gateways vermeiden; Aktivitäten als Verb plus Objekt beschriften; Modelle mit mehr als 50 Elementen zerlegen.
Jede Regel hat eine belegte Begründung. Größere Modelle sind schwerer verständlich und fehleranfälliger. Elemente mit vielen Kanten sind schwer zu lesen. Mehrere Start- und End-Ereignisse erhöhen die Fehlerwahrscheinlichkeit. Unstrukturierte Modelle mit unausgeglichenen Gateways sind fehleranfälliger. Die OR-Zusammenführung ist mehrdeutig. Verb-Objekt-Beschriftungen werden als am verständlichsten bewertet.
Welche Regeln ergänzt die Praxis?
Gadatsch nennt drei Regeln für lesbare Fachmodelle: Komplexität vermeiden, also unnötige Details wie „Bildschirm einschalten“ weglassen; den Prozessverlauf übersichtlich darstellen, indem der Kontrollfluss von links nach rechts läuft, komplexe Aktivitäten in eigene Diagramme wandern und sich Kanten nicht kreuzen; einheitliche Symbole und Beschriftungen verwenden, die im Unternehmen verbindlich festgelegt sind (Gadatsch 2025, S. 170).
Corradini und Kollegen haben aus 89 Quellen ein Rahmenwerk mit 50 Verständlichkeitsrichtlinien zusammengestellt. Für den Alltag reicht ein kleiner Satz, der konsequent eingehalten wird, mehr als eine lange Liste, die niemand prüft.
Wie setzt man Regeln im Unternehmen durch?
Mit einer Konvention auf einer Seite und einer Prüfung vor der Freigabe. Die Konvention legt fest, welche Elemente erlaubt sind, wie beschriftet wird, welche Richtung der Fluss hat und ab welcher Größe zerlegt wird. Die Prüfung ist ein kurzer Blick des Prozessverantwortlichen anhand dieser Seite, bevor ein Modell als gültig gilt. Wer Werkzeuge mit automatischer Validierung nutzt, lässt die formalen Regeln maschinell prüfen und behält für die inhaltlichen, etwa passende Beschriftungen, die menschliche Durchsicht.
Häufige Fragen zu BPMN-Regeln (Modellierungsrichtlinien)
- Sind Modellierungsregeln Teil des BPMN-Standards?
- Nein. Der Standard legt fest, welche Symbole es gibt und was sie bedeuten. Regeln für gute, verständliche Modelle stammen aus der Forschung und aus Unternehmenskonventionen.
- Welche Regel hat die größte Wirkung?
- Wenige Elemente je Modell. Größe ist der stärkste Prädiktor für Fehler und Unverständlichkeit. Ab etwa 50 Elementen sollte ein Modell in Subprozesse zerlegt werden.
Quellen
- Corradini, F. et al. (2018): A Guidelines Framework for Understandable BPMN Models, Data & Knowledge Engineering, Vol. 113, S. 129-154, S. 129 ff.
- Mendling, J. / Reijers, H. A. / van der Aalst, W. M. P. (2010): Seven Process Modeling Guidelines (7PMG), Information and Software Technology 52(2)
- Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 170
Autor: Jordanis Kleinöder Stafidis, Gründer und Geschäftsführer der Procevia GmbH · Aktualisiert am
Siehe auch: BPMN , Vorteile von BPMN , Geschäftsprozess