Geschäftsprozess

Prozess

Auch: Business Process , Unternehmensprozess

Zielgerichtete, zeitlich-logische Abfolge von Aufgaben, die arbeitsteilig von mehreren Organisationseinheiten unter Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien ausgeführt werden können, zur Erstellung von Leistungen entsprechend den aus der Unternehmensstrategie abgeleiteten Prozesszielen.

Ein Geschäftsprozess kann formal auf unterschiedlichen Detaillierungsebenen und aus mehreren Sichten beschrieben werden. Der maximale Detaillierungsgrad ist erreicht, wenn die ausgewiesenen Aufgaben je in einem Zug von einem Mitarbeiter ohne Wechsel des Arbeitsplatzes ausgeführt werden können.

Abzugrenzen von technischen Prozessen (z. B. Fräsen eines Zylinderkopfes), die durch Stücklisten, Arbeitspläne oder Rezepturen beschrieben werden. Betriebswirtschaftliche Geschäftsprozesse beziehen sich auf kaufmännische Tätigkeiten wie Kundenauftragsbearbeitung oder Mitarbeitereinstellung und werden mit Ablaufdiagrammen oder Geschäftsprozessmodellen dokumentiert.

Woran erkennt man einen echten Geschäftsprozess?

Bergsmann nennt vier konstitutive Elemente: Tätigkeiten, eine definierte zeitlich-logische Abfolge zwischen ihnen, ein klar feststellbares Ergebnis und einen Außenbezug, also einen Kunden, dessen Bedarf den Prozess auslöst und der am Ende die Leistung erhält (Bergsmann 2012, S. 17 f.). Fehlt eines davon, liegt kein Geschäftsprozess vor, sondern eine Sammlung von Tätigkeiten.

Sein Beispiel macht das anschaulich: Ein Kind, das alle Spielzeuge in der Zimmermitte aufstapelt, erzeugt zweifellos einen Output, aber keinen Geschäftsprozess, weil niemand diesen Output wollte. Für die Praxis heißt das: Wer einen Prozess beschreibt, sollte zuerst den Kunden und seinen Bedarf benennen, dann das Ergebnis, und erst danach die Schritte.

Welche Kategorien von Geschäftsprozessen gibt es?

Das einflussreichste Schema geht auf Porters Wertkette zurück: Kernprozesse erzeugen die Leistung, für die Kunden bezahlen; Unterstützungsprozesse ermöglichen die Kernprozesse; Managementprozesse geben Richtung, Regeln und Praktiken vor (Dumas et al. 2018, S. 41). Im deutschen Sprachraum heißen die drei Kategorien Kern-, Unterstützungs- und Steuerungsprozesse und bilden die drei Bänder der Prozesslandkarte.

Die Einordnung ist strategisch wichtig, weil sie bestimmt, wo Standardisierung und wo Differenzierung sinnvoll ist. Kernprozesse sind wettbewerbskritisch und verdienen eigene Gestaltung; Unterstützungsprozesse dürfen Standardlösungen folgen.

Warum lohnt sich die Prozesssicht für kleine und mittlere Unternehmen?

Prozesse dienen direkt oder indirekt der Erfüllung von Kundenbedürfnissen, und ihre Steuerung liegt bei einem Prozessverantwortlichen, der Ziele und Kennzahlen aus der Unternehmensstrategie ableitet (Gadatsch 2025, S. 21). Genau diese Kette von Kundenbedarf über Prozess zu Kennzahl fehlt in Unternehmen, die nur in Abteilungen denken.

Für ein mittelständisches Unternehmen mit 50 bis 200 Beschäftigten reicht oft eine Handvoll Prozesse, um den größten Teil der Wertschöpfung abzubilden: Angebot, Auftrag, Lieferung, Reklamation, Einstellung. Sie zu beschreiben ist der erste Schritt, sie zu messen der zweite.

Häufige Fragen zu Geschäftsprozess

Was unterscheidet einen Geschäftsprozess von einer Aufgabe?
Eine Aufgabe ist ein einzelner Arbeitsschritt. Ein Geschäftsprozess ist eine festgelegte Abfolge von Schritten über mehrere Stellen hinweg, die aus einem Bedarf ein Ergebnis für einen Kunden macht.
Ist jeder Ablauf im Unternehmen ein Geschäftsprozess?
Nein. Nach Bergsmann fehlt vielen Abläufen der Außenbezug: Es gibt keinen Kunden, dessen Bedarf am Anfang steht und dessen Leistung am Ende erbracht wird. Solche Abläufe sind Tätigkeiten, keine Geschäftsprozesse.

Quellen

  • Gehring, H. (1998), zitiert in: Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 11
  • Bergsmann, S. (2012): End-to-End-Geschäftsprozessmanagement, Springer Wien, S. 17 f.
  • Dumas, M. / La Rosa, M. / Mendling, J. / Reijers, H. A. (2018): Fundamentals of Business Process Management, 2. Aufl., Springer, S. 41
  • Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 21

Autor: Jordanis Kleinöder Stafidis, Gründer und Geschäftsführer der Procevia GmbH · Aktualisiert am

Siehe auch: End-to-End-Geschäftsprozess , Prozesshierarchie

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