Pool

BPMN

Auch: Pool (BPMN)

BPMN-Element, das einen eigenständigen Prozess repräsentiert. Pools grenzen verschiedene Prozessteilnehmer voneinander ab, zwischen denen Nachrichten ausgetauscht werden können, die Einfluss auf den jeweils anderen Prozess haben.

Ein Pool wird grafisch als großes Rechteck dargestellt, das einen kompletten Prozess umschließt. Innerhalb eines Pools können mehrere Lanes die Details nach Organisationseinheiten, Rollen oder IT-Systemen differenzieren.

Typisches Beispiel: In einem Bewerbungsprozess gibt es zwei Pools, „Bewerber” und „Firma”, deren Prozesse sich gegenseitig beeinflussen. Jeder Pool repräsentiert die Sicht des Prozessteilnehmers auf den gleichen Ablauf.

Zwischen Pools fließen Nachrichten (Message Flows, gestrichelte Pfeile), innerhalb eines Pools fließt der Kontrollfluss (durchgezogene Pfeile).

Wofür steht ein Pool genau?

Ein Pool ist die grafische Darstellung eines Beteiligten an einer Zusammenarbeit; der Beteiligte kann eine konkrete Organisation sein oder eine allgemeine Rolle wie Käufer, Verkäufer oder Hersteller (OMG 2014, S. 111). Dumas und Kollegen empfehlen, mit einem Pool eine ganze Organisation abzubilden und mit Lanes deren Abteilungen, Teams oder Systeme (Dumas et al. 2018, S. 97).

Die entscheidende Frage lautet: Wer steuert den Ablauf? Ein Pool hat seine eigene Prozesssteuerung. Zwei Abteilungen desselben Unternehmens teilen sich einen Pool, weil ein Sequenzfluss zwischen ihnen verläuft. Kunde und Lieferant bekommen getrennte Pools, weil keiner den Ablauf des anderen steuert.

Welche Regeln gelten für Pools?

Drei Regeln bestimmen die Arbeit mit Pools. Sequenzflüsse dürfen einen Pool nicht verlassen. Zwischen Pools fließen ausschließlich Nachrichtenflüsse. Und ein Pool darf leer bleiben, wenn nur die Schnittstelle zum Partner interessiert und nicht dessen interner Ablauf (OMG 2014, S. 111).

Die dritte Regel ist für Fachmodelle besonders praktisch: Ein Unternehmen dokumentiert seinen eigenen Prozess vollständig und zeigt den Kunden als leeren Pool, an dem Anfrage, Angebot und Auftrag als Nachrichten andocken. So bleibt sichtbar, wo der Prozess nach außen kommuniziert, ohne dass der Kundenprozess erfunden werden muss.

Welche Fehler passieren bei Pools am häufigsten?

Der klassische Fehler ist der Sequenzfluss über die Poolgrenze, meist weil Abteilungen fälschlich als Pools statt als Lanes modelliert wurden. Der zweite ist der umgekehrte Fall: Ein Kunde wird als Lane im Unternehmenspool geführt, obwohl er einen eigenen Ablauf hat.

Der dritte ist die Verwechslung von Pool und Prozess: Der Pool ist der Beteiligte, der Prozess ist das, was in ihm passiert. Gadatsch beschreibt die Gliederung nach Organisationseinheiten als in der Praxis häufigste Nutzung von Pools und Lanes (Gadatsch 2025, S. 159 f.).

Häufige Fragen zu Pool

Wann braucht ein Diagramm mehr als einen Pool?
Sobald zwei Beteiligte mit getrennter Steuerung zusammenwirken, etwa Kunde und Unternehmen. Abteilungen desselben Unternehmens bekommen dagegen Lanes innerhalb eines Pools.
Darf ein Pool leer bleiben?
Ja. Ein Pool muss keinen Prozess enthalten. Ein leerer Pool steht für einen Partner, dessen interner Ablauf nicht interessiert, und dient nur als Andockpunkt für Nachrichtenflüsse.

Quellen

  • Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 159
  • OMG (2011): Business Process Model and Notation (BPMN) Specification, Version 2.0, S. 109 ff.
  • OMG (2014): Business Process Model and Notation (BPMN), Version 2.0.2, Object Management Group, S. 111
  • Dumas, M. / La Rosa, M. / Mendling, J. / Reijers, H. A. (2018): Fundamentals of Business Process Management, 2. Aufl., Springer, S. 97

Autor: Jordanis Kleinöder Stafidis, Gründer und Geschäftsführer der Procevia GmbH · Aktualisiert am

Siehe auch: Lane , Nachrichtenfluss , BPMN

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