Sequenzfluss
BPMNAuch: Sequence Flow , Kontrollfluss , Pfeil
BPMN-Element, grafisch als durchgezogener Pfeil, das die Reihenfolge der Aktivitäten innerhalb eines Pools festlegt. Der Sequenzfluss verbindet Aktivitäten, Gateways und Ereignisse miteinander und definiert den Kontrollfluss des Prozesses.
Der Kontrollfluss kann optional durch Annotationen am Pfeil erläutert werden (z. B. „Rechnung ok”, „Bonität negativ”). Bei Verzweigungen durch Gateways stehen diese Annotationen an den ausgehenden Pfeilen und beschreiben, unter welcher Bedingung der jeweilige Pfad gewählt wird.
Die BPMN erlaubt es, einen der ausgehenden Pfade eines Gateways als „Standardsequenzfluss” (Default Flow) zu markieren. Dieser Pfad wird gewählt, wenn keine der anderen Bedingungen zutrifft. Grafisch wird der Standardsequenzfluss durch einen kleinen Querstrich am Pfeilanfang gekennzeichnet.
Welche Arten von Sequenzfluss gibt es?
Der Sequenzfluss legt fest, in welcher Reihenfolge Aktivitäten in einem Prozess ausgeführt werden (OMG 2014, S. 27). BPMN unterscheidet vier Ausprägungen: den normalen Fluss, den bedingten Fluss mit einer Bedingung an der Kante, den Standardfluss, der greift, wenn keine Bedingung zutrifft, und den Ausnahmefluss, der von einem angehefteten Zwischenereignis ausgeht (Weske 2024, S. 228).
Der normale Fluss beschreibt den erwünschten Ablauf vom Start- bis zum End-Ereignis. Ausnahmeflüsse unterscheiden sich in der Ausführung nicht davon; sie zeigen nur, dass der Pfad eine Ausnahme abbildet. Für Fachmodelle reicht es, normalen Fluss, Bedingungen an Gateway-Ausgängen und den Standardfluss zu kennen.
Wie werden Bedingungen an Sequenzflüssen ausgewertet?
An einem exklusiven Gateway trägt jeder ausgehende Sequenzfluss eine Bedingung. Die Spezifikation legt fest, dass diese Bedingungen der Reihe nach geprüft werden und die erste zutreffende gewinnt; überlappen sich Bedingungen, entscheidet also die Reihenfolge (Weske 2024, S. 230 f.). Der Standardfluss wird immer zuletzt geprüft und garantiert, dass genau ein Pfad gewählt wird.
Für die Praxis folgt daraus: Bedingungen sollten sich gegenseitig ausschließen und lesbar formuliert sein, etwa „Betrag unter 10.000 Euro“ und „Betrag ab 10.000 Euro“. Ein Standardfluss gehört an jedes Gateway, dessen Bedingungen nicht nachweislich alle Fälle abdecken.
Welche Regeln machen den Sequenzfluss lesbar?
Gadatsch empfiehlt, den Kontrollfluss konsequent von links nach rechts zu führen und Kreuzungen von Kanten zu vermeiden (Gadatsch 2025, S. 170). Die Modellierungsrichtlinien ergänzen: so wenige Kanten je Element wie möglich, weil jede zusätzliche ein- oder ausgehende Kante die Verständlichkeit senkt (Mendling et al. 2010). Rücksprünge, etwa bei Korrekturschleifen, werden deshalb als eigene Kante unterhalb des Hauptpfads geführt, damit die Leserichtung erhalten bleibt.
Häufige Fragen zu Sequenzfluss
- Darf ein Sequenzfluss einen Pool verlassen?
- Nein. Sequenzflüsse verbinden nur Elemente innerhalb eines Pools. Zwischen Pools fließen ausschließlich Nachrichtenflüsse, die gestrichelt dargestellt werden.
- Was bedeutet der kleine Querstrich am Pfeilanfang?
- Er kennzeichnet den Standardfluss an einem Gateway. Dieser Pfad wird genommen, wenn keine der anderen Bedingungen zutrifft, und sorgt dafür, dass der Prozess nie stecken bleibt.
Quellen
- Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 157
- OMG (2014): Business Process Model and Notation (BPMN), Version 2.0.2, Object Management Group, S. 27
- Weske, M. (2024): Business Process Management. Concepts, Languages, Architectures, 4. Aufl., Springer, S. 228 bis 231
Autor: Jordanis Kleinöder Stafidis, Gründer und Geschäftsführer der Procevia GmbH · Aktualisiert am
Siehe auch: Nachrichtenfluss , Aktivität , BPMN