Subprozess

BPMN

Auch: Sub-Process , Teilprozess , Eingebetteter Prozess

BPMN-Element, das eine Aktivität kapselt, die selbst wieder aus einem Prozessmodell besteht. Subprozesse erlauben die Hierarchisierung komplexer Prozesse und die Wiederverwendung definierter Abläufe in verschiedenen Kontexten. BPMN unterscheidet eingebettete Subprozesse (im Diagramm ausgeklappt oder zugeklappt) und wiederverwendbare Subprozesse (Call Activities).

Ein Subprozess wird grafisch als abgerundetes Rechteck mit einem Pluszeichen (+) am unteren Rand dargestellt (zugeklappter Zustand). Im ausgeklappten Zustand wird das innere Prozessmodell direkt im übergeordneten Diagramm sichtbar.

Zwei Haupttypen:

  • Eingebetteter Subprozess (Embedded Subprocess): Gehört zum Elternprozess, ist darin definiert. Eigene Variablen und Ereignisse gelten nur lokal.
  • Call Activity (Wiederverwendbarer Subprozess): Verweist auf ein anderes, eigenständig definiertes Prozessmodell. Ermöglicht Wiederverwendung über Prozessgrenzen hinweg.

Subprozesse sind ein zentrales Strukturierungsmittel für komplexe Geschäftsprozesse und entsprechen der Prozesshierarchie im betriebswirtschaftlichen Sinne: Ein Hauptprozess zerlegt sich in Teilprozesse, diese wiederum in elementare Prozessschritte.

Wann sollte man einen Subprozess bilden?

Ein Subprozess lohnt sich, wenn mehrere Aufgaben fachlich eine Einheit bilden oder wenn das Diagramm zu groß wird. Die sieben Modellierungsrichtlinien geben einen konkreten Schwellenwert: Modelle mit mehr als 50 Elementen sollten zerlegt werden, weil ihre Fehlerwahrscheinlichkeit deutlich steigt (Mendling et al. 2010).

Die Spezifikation beschreibt den Subprozess als Aktivität, deren Innenleben aus Aktivitäten, Gateways, Ereignissen und Sequenzflüssen besteht und die sich aufklappen lässt, um die tiefere Ebene zu zeigen (OMG 2014, S. 171). Damit ist er das Werkzeug, mit dem BPMN Prozesshierarchien abbildet: Die Landkarte nennt den Prozess, das Hauptdiagramm zeigt seine Phasen als Subprozesse, und jeder Subprozess zeigt die einzelnen Schritte.

Eingebettet oder wiederverwendbar?

Ein eingebetteter Subprozess gehört zu genau einem Elternprozess und teilt dessen Daten. Eine Aufruf-Aktivität verweist dagegen auf einen eigenständigen Prozess, der von mehreren Stellen genutzt werden kann, etwa „Bonität prüfen“ in Angebots- und Auftragsprozess. Die Faustregel: Wird derselbe Ablauf an zwei Stellen gebraucht, wird er ausgelagert und aufgerufen; wird er nur einmal gebraucht, bleibt er eingebettet.

Wer wiederverwendbare Subprozesse einsetzt, gewinnt Konsistenz: Ändert sich die Bonitätsprüfung, ändert sie sich überall. Der Preis ist ein zusätzlicher Pflegeort, der in Prozesslandkarte und Dokumentation sichtbar sein muss.

Wie behandelt ein Subprozess Ausnahmen?

Subprozesse sind der bevorzugte Ort für angeheftete Zwischenereignisse. Ein Storno-Ereignis am Rand des Subprozesses „Tickets buchen“ bricht die gesamte Buchung ab, sobald die Stornierung eintrifft, während die Einzelschritte im Inneren unberührt bleiben (Weske 2024, S. 223 f.). Nicht unterbrechende Randereignisse erlauben es, während eines laufenden Subprozesses Statusauskünfte zu geben, ohne die Bearbeitung zu stoppen. So bleibt der Hauptpfad lesbar, und Ausnahmen bekommen trotzdem einen klar definierten Platz.

Häufige Fragen zu Subprozess

Ab wann lohnt sich ein Subprozess?
Wenn ein Modell unübersichtlich wird oder mehrere Aufgaben fachlich zusammengehören. Die Modellierungsrichtlinien nennen 50 Elemente als Grenze, ab der ein Modell zerlegt werden sollte.
Braucht ein Subprozess ein eigenes Start- und End-Ereignis?
Nicht zwingend. Auf Prozessebene sind sie gute Praxis, in einfachen Subprozessen dürfen sie entfallen. Sobald ein Subprozess Ausnahmen behandelt, hilft ein eigener Start- und Endpunkt beim Lesen.

Quellen

  • OMG (2011): Business Process Model and Notation (BPMN) Specification, Version 2.0, S. 171 ff.
  • Allweyer, T. (2015): BPMN 2.0, 3. Aufl., Norderstedt
  • OMG (2014): Business Process Model and Notation (BPMN), Version 2.0.2, Object Management Group, S. 171
  • Weske, M. (2024): Business Process Management. Concepts, Languages, Architectures, 4. Aufl., Springer, S. 223 f.
  • Mendling, J. / Reijers, H. A. / van der Aalst, W. M. P. (2010): Seven Process Modeling Guidelines (7PMG), Information and Software Technology 52(2)

Autor: Jordanis Kleinöder Stafidis, Gründer und Geschäftsführer der Procevia GmbH · Aktualisiert am

Siehe auch: Aktivität , BPMN , Prozesshierarchie

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