Prozesshierarchie
ProzessAuch: Hierarchisierung von Prozessen , Prozessebenen
Stufenweise Betrachtung von Prozessen auf unterschiedlichen Abstraktionsebenen nach dem Top-Down-Prinzip: vom übergeordneten Geschäftsprozess über Geschäftsprozessschritte bis hin zu elementaren Prozessschritten, die zur Aufgabenerfüllung keinen Wechsel des Bearbeiters erfordern.
Die Hierarchisierung von Prozessen ist insbesondere bei sehr großen Unternehmen wichtig, um die verschiedenen Ebenen für die weitere Arbeit zu identifizieren und getrennt zu behandeln.
Ein elementarer Prozessschritt ist erreicht, wenn die Aufgabe in einem Zug von einem Mitarbeiter ohne Wechsel des Arbeitsplatzes ausgeführt werden kann.
Welche Ebenen hat eine Prozesshierarchie?
Dumas und Kollegen beschreiben eine Prozessarchitektur mit drei Ebenen: Ebene 1 ist das Landkartenmodell, die abstrakteste Sicht, auf der Kern-, Unterstützungs- und Managementprozesse als Kategorien erscheinen; Ebene 2 zerlegt jeden dieser Prozesse in seine Geschäftsprozesse; Ebene 3 beschreibt Teilprozesse, typischerweise als BPMN-Modelle (Dumas et al. 2018, S. 41 bis 45).
Jede Ebene beantwortet eine andere Frage. Die Landkarte sagt, welche Prozesse es gibt. Die Prozessebene sagt, wie ein Prozess in Phasen verläuft. Die Teilprozessebene sagt, wer welche Aufgabe in welcher Reihenfolge ausführt. Gadatsch betont, dass die Hierarchisierung vor allem bei großen Unternehmen wichtig ist, um Ebenen getrennt zu bearbeiten (Gadatsch 2025, S. 12).
Wie schneidet man Prozesse auf die Ebenen?
Zwei Regeln helfen. Nach oben: Ein Prozess gehört auf die Landkarte, wenn er mehrere Stellen betrifft, Schnittstellen zu Kunden hat und einen Prozessverantwortlichen bekommen kann. Nach unten: Ein Schritt ist elementar, wenn ein Mitarbeiter ihn in einem Zug ohne Wechsel des Arbeitsplatzes ausführen kann; tiefer sollte ein Fachmodell nicht gehen.
Die Modellierungsrichtlinien liefern die Grenze für die Diagrammgröße: Modelle mit mehr als 50 Elementen sollten in Subprozesse zerlegt werden, weil ihre Fehlerwahrscheinlichkeit deutlich steigt (Mendling et al. 2010). Wird ein Diagramm größer, ist das ein Signal, eine Ebene tiefer zu gehen.
Warum ist die Hierarchie mehr als Ordnung?
Weil sie festlegt, wer worüber entscheidet. Die Landkarte gehört der Geschäftsführung, die Prozessebene den Prozessverantwortlichen, die Teilprozesse den Fachbereichen. Ändert der Fachbereich einen Teilprozess, bleibt die Landkarte stabil; ändert die Geschäftsführung die Landkarte, müssen die Ebenen darunter nachziehen. Eine gepflegte Hierarchie macht deshalb sichtbar, welche Änderung welche Reichweite hat, und verhindert, dass Dokumentation auf einer Ebene veraltet, während die andere weiterentwickelt wird.
Häufige Fragen zu Prozesshierarchie
- Wie viele Ebenen braucht eine Prozesshierarchie?
- Meist drei: Landkarte, Prozess, Teilprozess. Eine vierte Ebene mit Arbeitsanweisungen ist sinnvoll, wenn einzelne Schritte detaillierte Vorgaben brauchen. Mehr als vier Ebenen sind selten pflegbar.
- Wann ist ein Prozessschritt elementar?
- Wenn ein Mitarbeiter ihn in einem Zug ohne Wechsel des Arbeitsplatzes ausführen kann. Tiefer sollte ein Fachmodell nicht gehen.
Quellen
- Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 12
- Dumas, M. / La Rosa, M. / Mendling, J. / Reijers, H. A. (2018): Fundamentals of Business Process Management, 2. Aufl., Springer, S. 41 bis 45
- Mendling, J. / Reijers, H. A. / van der Aalst, W. M. P. (2010): Seven Process Modeling Guidelines (7PMG), Information and Software Technology 52(2)
Autor: Jordanis Kleinöder Stafidis, Gründer und Geschäftsführer der Procevia GmbH · Aktualisiert am
Siehe auch: Geschäftsprozess