Business Process Management
ProzessAuch: BPM , Geschäftsprozessmanagement , GPM , Prozessmanagement
Disziplin an der Schnittstelle von Betriebswirtschaft und Informatik, die sich mit der Modellierung, Analyse, Optimierung, Automatisierung und Überwachung von Geschäftsprozessen befasst. BPM integriert strategische, fachliche und technische Ebenen des Prozessmanagements in einem durchgängigen Lebenszyklus.
BPM umfasst drei Ebenen, die ineinander greifen:
- Strategisches Prozessmanagement: Ausrichtung der Prozesse an der Geschäftsstrategie, Definition von Kernprozessen und Prozessverantwortungen
- Fachliches (operatives) Prozessmanagement: Modellierung, Analyse und kontinuierliche Verbesserung der Prozesse
- Technisches Prozessmanagement (Workflow-Management): Realisierung und Ausführung der Prozesse in IT-Systemen (WFMS, ERP, RPA)
Die Analyse der tatsächlich ausgeführten Prozesse erfolgt mit Process-Mining-Werkzeugen, welche aus Log-Daten den realen Prozessverlauf identifizieren. Das strategische BPM hat durch die DIN EN ISO 9001:2015 und ISO 9004:2018 zusätzliche Verbindlichkeit erhalten, da diese Normen erweiterte Anforderungen an das Prozessmanagement stellen.
Was umfasst Business Process Management?
Geschäftsprozessmanagement beschäftigt sich mit der Dokumentation, Analyse und Restrukturierung von Arbeitsabläufen; im deutschen Sprachraum war dafür lange der Begriff Ablauforganisation üblich (Gadatsch 2025, S. 2). Dumas und Kollegen fassen BPM als fortlaufenden Kreislauf aus Identifikation, Erhebung, Analyse, Redesign, Implementierung und Überwachung der Prozesse (Dumas et al. 2018, S. 23).
Die Disziplin entstand Anfang der 1990er Jahre als Antwort auf die Nachteile der Arbeitsteilung: Spezialisierte Abteilungen arbeiteten effizient für sich, aber schlecht zusammen. BPM richtet den Blick auf den durchgängigen Ablauf vom Kundenbedarf bis zur Leistung und macht ihn steuerbar.
Warum steht das Messen im Zentrum?
Dumas und Kollegen zitieren Tom DeMarco: Man kann nicht steuern, was man nicht misst. Deshalb werden die Leistungskennzahlen eines Prozesses vor jeder Detailanalyse festgelegt, typischerweise zu Kosten, Zeit, Qualität und Flexibilität (Dumas et al. 2018, S. 17). Ohne diese Messgrößen lässt sich nicht sagen, ob ein Prozess gut oder schlecht läuft, und keine Verbesserung lässt sich belegen.
Gadatsch beschreibt die Weiterentwicklung als Process Performance Management: Kennzahlen werden aus dem laufenden Prozess heraus ermittelt und analysiert, nicht erst im Nachhinein (Gadatsch 2025, S. 59). Die strategische Ebene, das Geschäftsmodellmanagement, legt dabei fest, welche Prozesse überhaupt wettbewerbsrelevant sind (Gadatsch 2025, S. 6).
Was bedeutet BPM für kleine und mittlere Unternehmen?
Die Vollausbaustufe mit Chief Process Officer, Prozess-Scorecard und Workflow-System ist für ein Unternehmen mit 50 bis 200 Beschäftigten selten der richtige Einstieg. Wirksam ist ein kleiner, verbindlicher Kern: eine Landkarte mit den Kernprozessen, ein Verantwortlicher je Prozess, eine Kennzahl je Prozess und ein fester Termin, an dem Kennzahlen und Modell überprüft werden.
Dumas und Kollegen warnen, dass jeder gute Prozess ohne kontinuierliche Anpassung irgendwann ein schlechter wird (Dumas et al. 2018, S. 23). Der Kreislauf muss deshalb im Kalender stehen, nicht nur im Handbuch.
Häufige Fragen zu Business Process Management
- Ist BPM eine Software oder eine Managementdisziplin?
- Eine Managementdisziplin. Software wie Workflow-Systeme oder Modellierungswerkzeuge unterstützt sie, ersetzt sie aber nicht. Ohne Prozessverantwortliche, Ziele und Kennzahlen bleibt jedes Werkzeug wirkungslos.
- Wo fängt ein kleines Unternehmen mit BPM an?
- Mit einer Prozesslandkarte, einem Prozessverantwortlichen je Kernprozess und je einer Kennzahl. Die Kernprozesse werden zuerst dokumentiert, alles Weitere folgt aus dem, was die Kennzahlen zeigen.
Quellen
- Weske, M. (2024): Business Process Management: Concepts, Languages, Architectures, 3rd Edition, Springer
- Schmelzer, H. J. / Sesselmann, W. (2020): Geschäftsprozessmanagement in der Praxis, 9. Aufl., Hanser, S. 1, 59
- Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 6-8
- Dumas, M. / La Rosa, M. / Mendling, J. / Reijers, H. A. (2018): Fundamentals of Business Process Management, 2. Aufl., Springer, S. 17, 23
- Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 2, 6
Autor: Jordanis Kleinöder Stafidis, Gründer und Geschäftsführer der Procevia GmbH · Aktualisiert am
Siehe auch: Geschäftsprozess , Workflow , Reifegradmodell