Enterprise Resource Planning System

Werkzeug

Auch: ERP-System , ERP

Integrierte Standardsoftware, die alle wesentlichen betriebswirtschaftlichen Funktionen eines Unternehmens (Finanzen, Personal, Beschaffung, Produktion, Vertrieb) auf einer gemeinsamen Datenbasis unterstützt. ERP-Systeme sind zentrale Plattformen für die operative Prozessausführung in Unternehmen und bieten häufig eingebettete Workflow-Funktionalitäten.

Führende ERP-Systeme im deutschsprachigen Raum: SAP S/4HANA, Oracle NetSuite, Microsoft Dynamics 365, Sage X3, Infor.

Typische Prozessmanagement-Bezüge:

  • ERP-Systeme liefern vorkonfigurierte Referenzprozesse (Best Practices) als Grundlage für Soll-Prozessmodelle
  • Prozessmodelle (z. B. als BPMN oder EPK) dienen als Ausgangspunkt für das Customizing der Software
  • Log-Daten aus ERP-Systemen sind primäre Quelle für Process Mining
  • Rollen- und Berechtigungsmodelle des ERP spiegeln die organisatorischen Zuständigkeiten aus den Prozessmodellen wider

Die Einführung eines ERP-Systems ist einer der häufigsten Auslöser für Prozessmanagement-Initiativen in Unternehmen.

Was macht ein ERP-System aus?

Gadatsch definiert ein ERP-System als modular aufgebautes Softwaresystem, bei dem mehrere Standard-Business-Applikationen durch eine gemeinsame Datenbasis integriert sind; typische Module sind Finanzwesen und Controlling, Produktionsplanung, Einkauf und Logistik, Vertrieb und Versand sowie Personal, und die Anpassung an das Unternehmen erfolgt durch Customizing (Gadatsch 2025, S. 205).

Der historische Grund ist die Datenredundanz: Bis in die 1980er Jahre liefen Lager, Vertrieb, Buchhaltung und Personal auf getrennten Systemen mit eigenen Daten und einer kaum beherrschbaren Zahl von Schnittstellenprogrammen. Die gemeinsame Datenbasis löste dieses Problem und machte abteilungsübergreifende Prozesse in einem System möglich.

Warum sind ERP-Systeme für das Prozessmanagement so wichtig?

Wegen der Prozessintegration. Gadatsch beschreibt, wie ein einziger Geschäftsvorfall, etwa eine Wareneingangsbuchung, in allen aktivierten Modulen durchgebucht wird und so Logistik, Produktionsplanung und Buchhaltung gleichzeitig aktualisiert (Gadatsch 2025, S. 205 f.). Weske hält fest, dass Unternehmensanwendungen wie ERP-Systeme buchstäblich Tausende Geschäftsprozesse realisieren (Weske 2024, S. 57).

Das ERP-System ist damit der Ort, an dem viele Kernprozesse tatsächlich laufen. Seine Protokolle sind die wichtigste Quelle für Process Mining, und seine Rollen- und Berechtigungsmodelle spiegeln die Zuständigkeiten aus den Prozessmodellen.

Wie hängen Prozessmodell und ERP-Einführung zusammen?

Gadatsch unterscheidet drei Grundszenarien für neue Informationssysteme, darunter die vollständige Ablösung durch Standardsoftware ohne nennenswerten Individualanteil, und zwei Einführungsstrategien, den stichtagsbezogenen Big Bang und die schrittweise Sukzessiv-Strategie (Gadatsch 2025, S.

214). In allen Fällen entscheidet das Prozessmodell darüber, was im System abgebildet werden kann: Manche Prozesse lassen sich in der gewünschten Form nicht abbilden, andere nur in geänderter Form bei gleichem Ergebnis (Gadatsch 2025, S. 213). Wer vor dem Projekt dokumentierte Soll-Prozesse hat, trifft diese Entscheidungen bewusst; wer sie nicht hat, übernimmt die Prozesse, die der Hersteller vorsieht.

Häufige Fragen zu Enterprise Resource Planning System

Warum ist die ERP-Einführung ein Prozessprojekt?
Weil die Software Abläufe vorgibt. Jeder Prozess muss entweder an die Software angepasst oder die Software per Customizing an den Prozess. Ohne dokumentierte Soll-Prozesse wird diese Entscheidung im Projekt improvisiert.
Big Bang oder schrittweise?
Der Big Bang tauscht das System zu einem Stichtag komplett, die Sukzessiv-Strategie verlagert Prozesse schrittweise. Kleinere Unternehmen mit wenigen Modulen wählen oft den Big Bang, größere mit vielen Standorten die Schritte.

Quellen

  • Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 205-210
  • Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 205 f., 214
  • Weske, M. (2024): Business Process Management. Concepts, Languages, Architectures, 4. Aufl., Springer, S. 57

Autor: Jordanis Kleinöder Stafidis, Gründer und Geschäftsführer der Procevia GmbH · Aktualisiert am

Siehe auch: Workflow-Management-System , Workflow , Business Process Management

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