Kernprozess

Prozess

Auch: Primärprozess , Leistungserstellungsprozess

Geschäftsprozess mit hohem Wertschöpfungsanteil, der das Wesen des Unternehmens kennzeichnet, in der Regel wettbewerbskritisch ist und Leistungserstellungsprozesse vom Kundenwunsch bis zur vom Kunden wahrgenommenen Auslieferung bzw. Leistungserbringung abbildet.

Typische Beispiele für Kernprozesse sind Auftragsbearbeitung, Produktentwicklung, Produktion, Distribution und Service. Kernprozesse sind die Prozesse, die ein Unternehmen am Markt identifizierbar machen.

In einer Prozesslandkarte werden Kernprozesse üblicherweise horizontal und zentral dargestellt, mit Steuerungsprozessen oberhalb und Unterstützungsprozessen unterhalb.

Was macht einen Prozess zum Kernprozess?

Kernprozesse sind Geschäftsprozesse mit hohem Wertschöpfungsanteil; sie sind im Normalfall wettbewerbskritisch und bilden die Leistungserstellung vom Kundenwunsch über Beschaffung, Lagerung, Produktion und Montage bis zur Auslieferung ab (Gadatsch 2025, S. 116). Dumas und Kollegen fassen es knapp: Kernprozesse decken die wesentliche Wertschöpfung ab, also die Produktion der Güter und Dienstleistungen, für die Kunden bezahlen (Dumas et al. 2018, S. 41).

Der einfachste Test ist deshalb die Zahlungsfrage. Bezahlt ein Kunde direkt für das Ergebnis dieses Prozesses? Dann ist es ein Kernprozess. Bezahlt er nur indirekt, weil der Prozess andere Prozesse ermöglicht, gehört er in ein anderes Band der Landkarte.

Wie hängen Kernprozesse zusammen?

Kernprozesse folgen häufig einer Reihenfolge: Produkte entwickeln, vermarkten, herstellen oder beschaffen, liefern, Kunden betreuen. Dumas und Kollegen zeigen sie deshalb als Kette von Chevrons, was als Wertkettenmodellierung bezeichnet wird (Dumas et al. 2018, S. 42). In der Prozesslandkarte stehen sie zentral in der Mitte, weil sie das eigentliche Geschäft sind.

Diese Reihenfolge ist auch eine Lesehilfe: Ein Kunde durchläuft die Kernprozesse in genau dieser Ordnung, vom ersten Kontakt bis zum Service nach dem Kauf. Wo die Übergabe zwischen zwei Kernprozessen hakt, etwa zwischen Vertrieb und Auftragsabwicklung, entstehen die typischen Reibungsverluste.

Warum verdienen Kernprozesse besondere Aufmerksamkeit?

Weil sie den Unterschied zum Wettbewerb ausmachen. Ein Unterstützungsprozess wie die Buchhaltung darf einem Standard folgen, ein Kernprozess sollte bewusst gestaltet sein: Er trägt die Kennzahlen, an denen Kunden das Unternehmen messen, etwa Lieferzeit, Angebotsdauer oder Reklamationsquote. Gadatsch nennt als typische Kernprozesse Auftragsbearbeitung, Produktentwicklung, Produktion, Distribution und Service (Gadatsch 2025, S. 13). Für die Dokumentation heißt das: Kernprozesse zuerst und am gründlichsten modellieren, mit klarem Prozessverantwortlichen und regelmäßiger Überprüfung.

Häufige Fragen zu Kernprozess

Wie viele Kernprozesse hat ein Unternehmen?
Meist drei bis sieben. Wer mehr zählt, hat oft Teilprozesse als Kernprozesse eingetragen. Ein guter Test ist die Frage, ob ein Kunde für das Ergebnis dieses Prozesses bezahlt.
Kann ein Prozess in einem Unternehmen Kernprozess und in einem anderen Unterstützungsprozess sein?
Ja. Die Personalgewinnung ist bei einem Personaldienstleister Kernprozess, in einem Maschinenbauunternehmen Unterstützungsprozess. Entscheidend ist die Nähe zum Geschäftsmodell.

Quellen

  • Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 13
  • Gadatsch, A. (2025): Grundkurs Geschäftsprozess-Management, 11. Aufl., Springer Vieweg, S. 116
  • Dumas, M. / La Rosa, M. / Mendling, J. / Reijers, H. A. (2018): Fundamentals of Business Process Management, 2. Aufl., Springer, S. 41 f.

Autor: Jordanis Kleinöder Stafidis, Gründer und Geschäftsführer der Procevia GmbH · Aktualisiert am

Siehe auch: Geschäftsprozess , Steuerungsprozess , Unterstützungsprozess

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